Nikolaus Franz Niembsch Edler von Strehlenau

(25 August 1802 - 22 August 1850 / Schadat)

Die Gewitternacht - Poem by Nikolaus Franz Niembsch Edler von Strehlenau

Mit dem Grafen Konopacki,
Seinem Freunde treubewähret,
Spricht Johannes angelegen,
Als der Abend wiederkehret.

Eben hat der Graf des Trostes
Mildberedtes Wort geendet
Und des Prinzen düstre Seele
Froher Hoffnung zugewendet.

Leise lächelt dem die Freude
Auf den kummerbleichen Wangen,
Und er hält die Hand des Freundes
Mit des Dankes Druck umfangen. -

Draußen sind die Warfenknechte
Rundgelagert in der Halle,
Und es dröhnt der Marmorboden
Vom Pokal und Würfelfalle.

Weiche Provenzalenlieder
Tönen aus den rauhen Kehlen,
Und sie schweben durch die Runde
Schwankend, wie verirrte Seelen.

Doch den einen von den Wachen
Seine Kameraden schelten,
Denn er schweigt bei ihrem Jubel,
Hebt auch seinen Becher selten.

Klärchens Vetter, Heinrich ist es,
Den des Mädchens Flehn bewogen,
Daß der Krieger auf des Kerkers
Prevotalwacht ist gezogen. -

Schweigend blicken jetzt die Freunde
Durch des Kerkers Fenstergitter,
Nächtlich kommt heraufgezogen
Dort vom Westen ein Gewitter;

Und die freien Wetterwolken
Ziehen rasch vorbei und schneiden
Finstre, höhnische Gesichter
In den Kerker auf die beiden.

Brausend fliegt des Todes Jagdhund
Sturm bergan in wilder Eile,
Seinen Herrn zu suchen, irrt er
Durch die Felsen mit Geheule.

Immer wird der Himmel dunkler,
Und schon ist die Nacht vollkommen;
Wie von einer finstern Ahnung
Wird der Freunde Herz beklommen.

Donnernd hallt des Todes Weidruf
Ringsum in Gebirg und Talen,
Plötzlich zündet er die Nacht an
Mit den hingeschoßnen Strahlen.

Immer lauter schreit der Donner
Durch die grausen Finsternisse;
Aus gebrochnen Wolken stürzen
Rauschend sich die Regengüsse.

Hart am Kerker Blitze zucken
Sehn die beiden mit Entsetzen:
An den Felsen scheint der Tod hier
Seinen Flammenpfeil zu wetzen. -

Doch wer sind die zwei Gestalten,
Die, umraset von den Wettern,
Es in solcher Stunde wagen,
Zum Gefängnis aufzuklettern?

Richelieus geheimes, sichres
Werkzeug in verruchten Taten:
Chantereine, der Hauptmann ist es
Von des Schlosses Wachtsoldaten.

Dieser weiß zu des Gebieters
Schlau verderblichem Befehle
Immer noch ein Gift zu fügen
Aus der eignen bösen Seele.

Und mit ihm der Knechte kühnster,
Dem er alles mag vertrauen,
Der ihm durch die Nacht der Sünde
Folgt wie durch Gewittergrauen.

Rastend halten sie jetzt inne
Auf bequemer Felsenfläche,
Daß des Greuels nahen Ausgang
Noch das finstre Paar bespreche.

Wildfrohlockend ruft der Hauptmann:
»Heute muß das Werk vollbracht sein
Und zur Freude des Ministers
Dies des Polen letzte Nacht sein!

Reich an Hasse ist der Priester,
Dessen mag manch Grab ihn loben;
Doch des Hasses herbste Fülle
Kocht sein Herz für den da oben.

Denn der hat sich kühn vermessen,
Einst in hoher Fürsten Kreise
Dem Gefürchteten zu nahen
Auf verächtlich kalte Weise.

Und er wäre längst verblichen;
Doch der König selbst, der schwache,
Hat Gewalt verboten, fürchtend
Österreichs und Polens Rache.

Heute will mit eigner Faust ich
Nach der rechten Stunde haschen
Und mit dem, was wir vollbringen,
Selbst den Teufel überraschen.

Doch daß unsrer Tat Geheimnis
Kein Verräterohr belausche,
Liegt der Wache ganze Rotte
Eingezecht im tiefsten Rausche.

Hurtig schleudern in den Kerker
Wir die lohen Schwefelbrände,
Daß der Fürst im schweren Qualme
Sein erlauchtes Leben ende!

Und sein guter, treuer Landsmann,
Der da schläft an seiner Seiten,
Wird den Freund wohl mit Vergnügen
In die andre Welt begleiten.

Lustig vorwärts, Kamerade!
Vorwärts, Bruder, ohne Zagen!
Morgen heißt es: in den Kerker
Hat der Donner eingeschlagen.

Ja! dem Himmel aufgebürdet
Sei die Mordtat unsrer Hände;
Und der wütet heut so närrisch,
Daß ers selber glaubt am Ende!«

Hastig schreiten sie nun aufwärts,
Kommen zu den Kerkertoren;
Doch es ging von dem Gespräche
Nicht ein Wörtchen auch verloren.

Denn des Prinzen treuer Page,
Dem ein Unheil mochte ahnen,
Folgte ihnen Schritt für Schritte
Nach auf ihren schlimmen Bahnen.

Sachte sind sie nun getreten
In das Haus, die Schwefelbrände
Aus dem Dunkel still zu holen,
Und entzünden sie behende.

Klärchen weckt den Vetter schleunig,
Der in leichtem Schlummer nicket,
Hält die Hand ihm, daß er schweige,
Zitternd auf den Mund gedrücket.

Chantereine ist schnell und leise
Schon zum Fenster angeklommen,
Hat nun aus der Hand des Knechtes
Schon den Brand hinaufgenommen;

Plötzlich mit dem Feuerrohre
Bricht der Page vor, entschlossen:
In den bodenlosen Abgrund
Stürzt der Bösewicht erschossen.

Wütend, mit gezücktem Dolche,
Faßt den Pagen nun der Scherge;
Doch, von Heinrichs Schwert getroffen,
Taumelt er hinab die Berge.

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Poem Submitted: Tuesday, May 22, 2012



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