Nikolaus Franz Niembsch Edler von Strehlenau

(25 August 1802 - 22 August 1850 / Schadat)

Die Heimkehr - Poem by Nikolaus Franz Niembsch Edler von Strehlenau

Zu Paris am Königsschlosse,
Das der Prinz nunmehr bezogen,
Harrt der Wagen lange Reihe,
Drängen sich des Volkes Wogen.

Auf der kunstgeschmückten Treppe
Stehn die königlichen Garden,
Dem Andrang des Volkes wehrend
Mit dem Stoß der Hellebarden.

Johann Kasimir, gebleichet
Von des Kummers langem Drucke,
Stieg herab, seit lange wieder
Heut im vollen Fürstenschmucke.

Auf dem Haupt die samtne Mütze;
Um den Busch des Reihers brannten,
In vielfache Schnur gewunden,
Große helle Diamanten.

An dem samtnen Oberkleide
Weite Ärmel niederhangen,
Drauf das goldne Fell des Widders
Und die Demantkette prangen.

Der kostbare Persergürtel
Trägt des Säbels Eisenbogen
Mit rubinbesetztem Griffe,
Den der Jüngling oft gezogen.

Ihn umrauschen die Begleiter:
Sully, Angoulême, nebst andern,
Sagen ihm viel süße Worte,
Wünschen ihm ein glücklich Wandern.

Doch der Zug, die Treppe nieder,
Muß auf jeder Stufe stocken,
Unaufhaltsam strömt das Volk zu,
Mit gutmütigem Frohlocken.


In der Treppe tiefster Ecke,
Hinter des Hatschieren Rücken,
Hat ein Mädchen sich geschmieget,
Auf den Zug hervorzublicken.

Eingebettelt in die Stelle
Hat sie sich mit bangem Flehen,
Daß sie dürfe nur noch einmal
Unbemerkt den Prinzen sehen.

Also hat in scheuer Demut
Klara Hebert sich verborgen;
Nicht mehr braucht ja ihre Liebe
Für den Teuren mehr zu sorgen.

Nicht gewahrt der rauhe Wachmann
Ihres Herzens lautes Pochen,
Und wie manche heiße Träne
Aus den Augen ihr gebrochen.

Plötzlich hält Johannes inne,
Forschend blickt er ins Gedränge;
Doch nicht sieht er, die er suchet
In des Volkes bunter Menge.

Und der Liebe bange Zweifel
Ihm die Seele jetzt erfassen;
»Klara!« ruft er laut und schmerzlich,
»Willst du mich im Glück verlassen?« -

Wie sie so ihn höret rufen,
Stürzt sie hin mit lautem Weinen,
Und ohnmächtig liegt das Mädchen
Auf der Treppe Marmorsteinen.

Festgedrückt an seinen Busen,
Hält Johannes sie umfangen,
Mit unendlich süßer Wehmut
Küßt er ihre bleichen Wangen.

Lange noch auf ihrem Antlitz
Ruht sein seliges Betrachten,
Und es zittert seine Stimme:
»Lebewohl!« der Auferwachten.

Zu Graf Angoulême nun spricht er:
»Eurem Schutz sei sie befohlen:
Ehret sie, wie es der Freundin
Ziemen mag Johanns von Polen!

Meines Lebens kühne Rettung
Dank ich diesen zarten Händen;
Und daß ich zur lieben Heimat
Wieder mag die Schritte wenden!«

Rasch besteigt er seinen Wagen;
Und den Prinzen segnet jeder.
Jetzt verliert sich in der Ferne
Schon das Rollen auch der Räder.

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Poem Submitted: Tuesday, May 22, 2012



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