Nikolaus Franz Niembsch Edler von Strehlenau

(25 August 1802 - 22 August 1850 / Schadat)

Die Werbung - Poem by Nikolaus Franz Niembsch Edler von Strehlenau

Rings im Kreise lauscht die Menge
Bärtiger Magyaren froh;
Aus dem Kreise rauschen Klänge:
Was ergreifen die mich so? -
Tiefgebräunt vom Sonnenbrande,
Rotgeglüht von Weinesglut,
Spielt da die Zigeunerbande
Und empört das Heldenblut.
»Laß die Geige wilder singen!
Wilder schlag das Zimbal du!«
Ruft der Werber, und es klingen
Seine Sporen hell dazu.
Der Zigeuner hörts, und voller
Wölkt sein Mund der Pfeife Dampf,
Lauter immer, immer toller
Braust der Instrumente Kampf,
Braust die alte Heldenweise,
Die vor Zeiten wohl mit Macht
Frische Knaben, welke Greise
Hinzog in die Türkenschlacht.
Wie des Werbers Augen glühn!
Und wie all die Säbelnarben,
Ehrenröslein purpurfarben,
Ihm auf Wang und Stirne blühn!
Klirrend glänzt das Schwert in Funken,
Das sich oft im Blute wusch;
Auf dem Tschako, freudetrunken,
Taumelt ihm der Federbusch. -
Aus der bunten Menge ragen
Einen Jüngling, stark und hoch,
Sieht der Werber mit Behagen;
»Wärest du ein Reiter doch!«
Ruft er aus mit lichtern Augen,
»Solcher Wuchs und solche Kraft
Würden dem Husaren taugen;
Komm und trinke Brüderschaft!«
Und es schwingt der Freudigrasche
Jenem zu die volle Flasche.
Doch der Jüngling hört es schweigend,
In die Schatten der Gedanken,
Die ihn bang und süß umranken,
Still sein schönes Antlitz neigend.
Ihn bewegt das edle Sehnen,
Wie der Ahn ein Held zu sein;
Doch berieseln warme Tränen
Seiner Wangen Rosenschein.
Außer denen, die da rauschen
In Musik, in Werberswort,
Scheint er Klängen noch zu lauschen,
Hergeweht aus fernem Ort.
»Komm zurück in meine Arme!«
Fleht sein Mütterlein so bang;
Und die Braut in ihrem Harme
Fleht: »O säume nimmer lang!«
Und er sieht das Hüttchen trauern,
Das ihn hegte mit den Seinen;
Hört davor die Linde schauern
Und den Bach vorüberweinen. -
Pochst du lauter nach den Bahnen
Kühner Taten, junges Herz?
Oder zieht das süße Mahnen
Dich der Liebe heimatwärts?
Also steht er unentschlossen,
Während dort Geworbne schon
Ziehn ins Feld auf flinken Rossen,
Lustig mit Trommetenton.
»Komm in unsre Reiterscharen!«
Fällt der Werber jubelnd ein,
»Schönes Leben des Husaren,
Das ist Leben, das allein!« -
Jünglings Augen flammen heller,
Seine Pulse jagen schneller. - -
Plötzlich zeigt sich jetzt im Kreise
Eine finstere Gestalt,
Tiefen Ernstes, schreitet leise,
Und beim Werber macht sie halt,
Und sie flüstert ihm so dringend
Ein geheimes Wort ins Ohr,
Daß er, hoch den Säbel schwingend,
Wie begeistert loht empor.
Und der Dämon schwebt zur Bande,
Facht den Eifer der Musik
Mächtig an zum stärksten Brande
Mit Geraun und Geisterblick.
Aus des Basses Sturmgewittern,
Mit unendlich süßem Sehnen,
Mit der Stimmen weichem Zittern,
Singen Geigen, Grabsirenen.
Und der Finstre schwebt enteilend
Durch der Lauscher dichte Reihe,
Nur am Jüngling noch verweilend
Wie mit einem Blick der Weihe. -
Bald im ungestümen Werben
Wird der Liebe Klagelaut,
Wird das Bild der Heimat sterben;
Arme Mutter! arme Braut!
In des Jünglings letztes Wanken
Bricht des Werbers rauhes Zanken,
Lacht des Werbers bittrer Hohn:
»Bist wohl auch kein Heldensohn!
Bist kein echter Ungarjunge!
Feiges Herz! so fahre hin!«
Seht, er stürzt mit raschem Sprunge -
Zorn und Scham der Wange Glühn -
Hin zum Werber, von der Rechten
Schallt der Handschlag in den Lüften,
Und er gürtet, kühn zum Fechten,
Schnell das Schwert sich um die Hüften. -
Wie beim Sonnenuntergange
Still waldeinwärts schleicht das Wild:
Also von der Ungarn Wange
Flüchtet in den Bart herab
Still die scheue Männerzähre.
Ahnen sie des Jünglings Ehre?
Ahnen sie sein frühes Grab?

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Poem Submitted: Tuesday, May 22, 2012



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