Nikolaus Franz Niembsch Edler von Strehlenau

(25 August 1802 - 22 August 1850 / Schadat)

Cisteron - Poem by Nikolaus Franz Niembsch Edler von Strehlenau

Welche Freude fühlt der Wandrer,
Zieht er so im Frühlingsstrahle
Durch die schönen, liedervollen,
Wonnigen Provencertale!

Heißer glüht der Kuß der Sonne
Auf den blumenreichen Matten;
Süßre Labung rauscht die Quelle,
Kühler säuseln hier die Schatten.

Voller tönt des Donners Stimme,
Und die Sterne blinken heller;
Rascher blüht die Frucht und reifet,
Und die Liebe zündet schneller.

Unbesiegbar und unendlich
Ist der Liebe banges Sehnen,
Und es nagen in die Herzen
Tiefer ihre Spur die Tränen.

Aber führt der Weg den Wandrer
An den Ort, den ich besinge,
Kann er nicht dem Schauder wehren,
Daß er ihm das Herz durchdringe.

Am Gestade der Durance
Sieht er eines Städtchens Mauern,
Grauberäuchert, hin und wieder
Seine stillen Häuser trauern.

Grausenhafte Felsenschlünde
Sieht der Wandrer dicht daneben,
Selten auf granitnem Blocke
Einen Strauch im Winde beben.

In dem nächtlichen Reviere
Scheint der Tod sich zu ergehen
Und den Leben nachzusinnen,
Die sein Odem wird verwehen.

Von den Klippen, wie verzweifelnd,
Stürzt der Wildbach in die Tiefe,
Und er brauset in den Schluchten,
Ob er bang nach Hülfe riefe.

Furchtsam ruht am Fuß des Berges
Städtchen Cisteron geschmieget,
Wie zu des Gebieters Füßen
Weinend eine Sklavin lieget.

Auf dem Berge ragt Gemäuer,
Und in längst verblichnem Glanze
Herrschten hier von ihrem Schlosse
Einst die Grafen der Provence.

Wie so traurig hier dem Wandrer
Die verfallnen Türme winken:
Alles Edle hier auf Erden,
Alles muß am Ende sinken!

An den Türmen, steil und plötzlich,
Hebt sich eine Felsenmasse,
Eine Herberg für die Wolken,
Auszuruhn auf ihrer Straße.

Und zuhöchst am Felsenhaupte
Steht ein Häuschen, einsam, wüste,
Wo der Heide mit dem Opfer
Seine Götter einst begrüßte.

Doch in unsern schlimmen Tagen
Ward der Tempel zum Gefängnis,
Wo die Tyrannei ihr Opfer
Quält in heimlicher Bedrängnis.

Ludewig, du böser König!
Richelieu, du arger Priester!
Wagt der König nicht den Frevel,
Schon vollbringt ihn der Minister.

Zu beklagen ist die Menschheit,
Will ein Priester ihr gebieten;
Statt den Himmel ihr zu geben,
Raubt er ihr die Erdenblüten.


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Poem Submitted: Monday, May 21, 2012



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