Nikolaus Franz Niembsch Edler von Strehlenau

(25 August 1802 - 22 August 1850 / Schadat)

Der selige Abend - Poem by Nikolaus Franz Niembsch Edler von Strehlenau

Schnell versammelt um die Felsen
Haben Wolken sich und Winde,
Um den neuen Gast zu grüßen,
Seines Kummers Spielgesinde.

Ausgeloschen ist das Mondlicht
Und der Sterne helles Flimmern,
Durch die enge Fensterspalte
Hört der Gast die Lüfte wimmern.

Traurig sinnend blickt Johannes
In die dunkle Ferne nieder,
Und es flattern seine Locken
Windgeschaukelt hin und wider;

Flattern um die blasse Stirne
Wie das Laub der Trauerweiden
Um die bleiche Marmortafel
Über den begrabnen Freuden.

Er gedenket eines Abends,
Eines seligen vor allen,
Als in Martigues er gelandet
Mit den Freunden und Vasallen.

Ruhig lag die sturmerprobte
Genuesische Galeere,
Lustig flogen ihre Wimpel,
Und der Tag versank im Meere:

Scheidend warf er seine Strahlen
In der Wellen bunt Gedränge,
Wie ein König, goldverstreuend,
Scheidet von der frohen Menge.

Nach dem Sturme lag die See nun
Schön in ihrer stillen Größe;
Nur noch manchmal an das Ufer
Tönten bange Wellenstöße:

Also zuckt nach starkem Weinen
Noch das Herz mit bangem Schlage,
Ist auch schon das Auge heiter
Und verstummt des Mundes Klage.

Lieblich war der Lüfte Säuseln
Nach dem rauhen Sturmestosen;
Auf der Meeresruhe schwebten
Die Gesänge der Matrosen. -

Dicht am Strande, schmuck und wirtlich,
Winkt der Gasthof mit dem Schilde
Dreier Lilien, einzukehren
Zu dem schönen Engelbilde:

Klara Hebert, weit gepriesen
Rings im Lande ob der Blüte
Ihrer Schönheit, weit im Lande
Ob des Herzens Wundergüte.

Laut mit ungestümer Freude
Tritt der Seemann in das Zimmer,
Dringend heischt er nach dem Becher;
Doch sein Mut wird stiller immer.

Ihm kredenzt der Wirtin Tochter
Freundlich mit den zarten Händen,
Und er läßt den Becher stehen,
Kann sein Auge nimmer wenden.

Nun sie seinem Blick entschwunden,
Trinkt er aus mit raschem Zuge;
Daß sie noch einmal ihn fülle,
Klopft er sachte mit dem Kruge.

Seine Seele ward ergriffen
Schmerzlich von der Liebe Ahnen,
Die für immer er verloren
Auf den sturmbewegten Bahnen.

Und er eilt hinaus zum Strande,
Fort treibt ihn sein wild Verlangen,
Daß die Stürme ihm entschlagen
Dieses ungewohnte Bangen.

Mit dem glänzenden Gefolge
War der Prinz nun angekommen;
Ihn empfing die Wirtin rauschend,
Ihre Tochter still beklommen.

Schüchtern vor dem fremden Fürsten
Steht sie, harrend der Befehle,
Kaum zu ihm hinanzublicken
Wagt ihr Auge, voller Seele.

Tiefen Ernst und süße Schwermut
Sprechen seine schönen Züge,
Und des Auges Blitz verkündet
Hell des Mutes hohe Flüge.

Froh erschrecken ihre Blicke,
Und sie können nicht verweilen,
Müssen mit dem schönen Bilde
Schnell zurück zum Herzen eilen.

Überwältigt von der Liebe
Selig dringendem Erwarten,
Treten beide unwillkürlich,
Stumm und bebend, in den Garten.


Also wandeln sie noch lange
Mit verschwiegenem Gefühle;
Gastlich bieten hier die Bäume
Süße Frucht und Schattenkühle.

Nachtigallen, immer lauter,
Singen auf den grünen Zweigen,
Gleich als wollten sie verraten,
Was die beiden sich verschweigen.

Freudig grüßen schon die Sterne
Sie auf ihrem schönsten Gange;
Endlich wird die Liebe Sprache,
Und sie flüstern viel und lange.

Klärchen hört die Zauberworte,
Daß sie ihm auf weiter Erde
Die alleinzige Geliebte
Sei und immer bleiben werde.

In der Jungfrau Busen plötzlich
Ist der Himmel aufgegangen,
Seines Lenzes Purpurblüten
Treibt das Herz ihr auf die Wangen.


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Poem Submitted: Monday, May 21, 2012

Poem Edited: Monday, May 21, 2012


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