Anton Wildgans

(17 April 1881 - 3 May 1932 / Vienna)

Die blinden Soldaten - Poem by Anton Wildgans

Viele sind gestorben den bittern Tod —
Vaterland, heiliger Herd!
Fremde Erde sah ihre letzte Not,
Fremde Erde schlürfte ihr Blut so rot.
Du warst ihnen gnädig, allmächtiger Gott,
Sei ihnen leicht die fremde Erd' —!

Wir aber sind heimgekehrt.


Ehemals stand der Tag voll Blumen und Blühn,
Himmel voll Wolkenflug.
Wiesen waren herdengesprenkeltes Grün,
Blinkende Pflüge waren im Mittagsglühn —
Städte waren voll Brausen und regem Bemühn,
Schiffe zerschnitten Gewässer mit schäumendem Bug

Bis uns der Herr mit Blindheit schlug.


Da auf einmal versanken Meer, Himmel und Land.
O wie schön war die Welt!
O wie schön war sie selbst noch in Blut, Kampf und Brand!
Irgendwer kam dann und nahm unsre Hand,
Lehnte uns leise an eine Wand,
Wie man Gebrechliches abseits stellt!

Irgendwer sagte: Ein Held!


Seither ist alles so finster und bang,
Seither drücken wir uns mit tastendem Gang
An Wänden, Geländern und Häusern entlang,
Hören Menschenstimmen und Vogelsang
Irgendwoher aus dem nachtschwarzen Raum —

Und der Wind rauscht im Baum.

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Poem Submitted: Wednesday, May 30, 2012



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