Anton Wildgans

(17 April 1881 - 3 May 1932 / Vienna)

Harlekinade - Poem by Anton Wildgans

Herein! Euch kostet der Spaß keinen Heller,
Hier klingelt kein Beutel, hier scheppert kein Teller -
Herein und staunet die Wunder an,
Die meine Kunst euch zeigen kann!
Alles will ich euch sehen lassen:
Bocksprünge und bizarre Grimassen,
Wie man zur Schlange verrenkt seine Glieder,
Wie man Klagen singt oder närrische Lieder,
Wie man verstohlene Tränen weint,
Die Augen kneift und zu lachen scheint,
Wie man lästert und flucht beim stillen Gebet,
Eine Jungfrau liebt und zu Dirnen geht -!
Das wird euch nirgends so leicht geboten!
Ich spiele Verbrecher und Idioten,
Selbstmörder vor dem tödlichen Schuß;
Bin auch mit Tieren auf bestem Fuß.
Ich kann euch die Stimmen imitieren
Von solchen auf Zweien und solchen auf Vieren -
Mit einem Wort, alle Gründe und Tiefen,
Wohin sich jemals Gefühle verliefen,
Vom Hunger bis zu der Gottidee,
Vom derben Trieb bis zum Liebesweh,
Vom Heiland bis zum linken Schächer,
Vom Eremiten zum Lebenszecher -
All dieses sonderbare Gewirre,
In dem euch kopf und Herz wird irre,
Dies Kunterbunt, diesen Fastnachtsreigen
Laßt euch in meiner Bude zeigen,
Und lachen sollt ihr und euch ergetzen -!
nur eins! - Gewickelt in Lumpen und Fetzen,
Liegt hinter dem Vorhang ein armes Ding,
Das mir beinahe zuschanden ging:
Das ist meine Narrenseele - Verzeiht,
Wenn sie bisweilen den Spuk überschreit.



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Poem Submitted: Wednesday, May 30, 2012

Poem Edited: Wednesday, May 30, 2012


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