Anton Wildgans

(17 April 1881 - 3 May 1932 / Vienna)

Helldunkle Jugend - Poem by Anton Wildgans

Belebe dich durch Geistes Schöpferhauch.
Gebilde, liebes Mauerwerk uralt,
Gewirr von kleinen Häusern, Gärten auch,

gebannt in kleiner Höfe Aufenthalt,
aus denen maien-abends Zithern klingen
und Menschen junge treibende Gewalt

der Herzen in den sanften Himmel singen.
Hier war es, wo ich Bitterstes erlitt
als Knabe schon. Den Vater sah ich bringen.

Schankknechte waren's, stöhnend war ihr Schritt,
da sie den jäh Erkrankten nächtlich trugen
und Stall-Laternen gingen flackernd mit.

Wie stand, der Puls, und dann wie schmerzhaft schlugen
erstarrten Blutes Wogen auf zum Hals
und in die Schläfen, die es kaum ertrugen -

In wilden Fiebernächten stand das Leben
An meinem Bett und hielt die kühlen Hände
An meine Stirn, um die die wirren Brände
Bunter Gesichte zuckten. Aufzuschweben

Schien schon die Seele mir. Anheimgegeben
Der Schwere lastete der Leib. Die Wände
Des Raumes zersanken in das All. „Das Ende!"
Schrie eine Stimme, furchtbar zum Erbeben.

Doch jener Geist, der lächelnd ungetrübte,
Der mich mit seinen Marmorfingern kühlte,
Neigte sich mir, in dem die Nacht schon wühlte,

Und lispelte dem todverzückten Ohr:
Noch einmal will ich dein sein, dumpfer Tor,
Tust du in dieser Stunde ein Gelübde ...


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Poem Submitted: Wednesday, May 30, 2012

Poem Edited: Wednesday, May 30, 2012


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