Joseph Christian Freiherr von Zedlitz

(28 February 1790 - 16 March 1862 / Javorník)

In die Ferne - Poem by Joseph Christian Freiherr von Zedlitz

Nachtvertraute Liebesklagen
Send' ich meiner Freundin zu;
Eile Kund' ihr anzusagen,
Mond, gefäll'ger Bote du;
Jedes Wort aus ihrem Munde,
Jede selige Sekunde
Glüht in meiner Phantasie,
Meine Seele denkt nur Sie!

Traget, Wolken, traget, Sterne,
Meinen Gruß! Verschwiegne Luft,
Sag' ihr, daß der Sänger, ferne,
Ihren holden Namen ruft.
Tönt er überall nicht wieder,
Sind verhaßt mir meine Lieder,
Klanglos, ohne Harmonie:
Mich begeistern kann nur Sie!

Ob das Glück mir seine Krone,
Reichthum mir sein Füllhorn beut;
Ob die Welt zum Dichterlohne
Einen Lorbeerzweig mir weiht:
Gold und Ehre, eitler Schimmer,
Euern Glanz begehr' ich nimmer,
Eure Kränze wünsch' ich nie;
Mich beglücken kann nur Sie!

Nicht der frohe Ton des Lebens
Weckt des Busens Wiederhall;
Freud' und Lust, ihr ruft vergebens,
Nicht'ge Töne, leerer Schall!
Ach, dahin sind meine Wonnen,
Meine Freud' ist längst zerronnen,
Der die Liebe Farben lieh;
Freude geben kann nur Sie!

Glühe immerhin, Verlangen,
Tief im Herzen sonder Ruh',
Sehnsucht, halte mich gefangen,
Nage, nage immerzu!
So wie du kein Pfeil verletzet,
's ist kein Schwert, das also schmerzet;
Tödte! - heilen wirst du nie!
Ach mich heilen kann nur Sie! -

Augensterne mild und helle,
Seidenlocken, fließend Gold,
Schnee des Halses, Busens Welle,
Zarte Hände, bleibt mir hold!
Warme Lippen, rosigsüße,
Sänger schickt euch tausend Küsse,
Täuscht mich nimmer! - Täuschen - Wie?
Wer ist wahrhaft, wenn nicht Sie?


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Poem Submitted: Thursday, May 24, 2012



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