Joseph Christian Freiherr von Zedlitz

(28 February 1790 - 16 March 1862 / Javorník)

Am deutschen Gränzstein - Poem by Joseph Christian Freiherr von Zedlitz

Mir auch pochte das Herz, als von den Alpen ich
Weit hin schaut' in das Land, mythischer Zauber voll,
Daß süßdämmernd, ein Traum mir vor der Seele lag,
Den ich geträumt in der Jugend Schlummer.

Ich auch eilte dem Süd sehnsuchtgestachelt zu,
Wo hin tobt der Torrent, wo in Pontevas Schlucht
Starr aufraget der Fels, schwindelnd der Weg sich zieht,
Mächtig von Quadern umzäunt, am Abgrund.

Dort vom Morgen beglänzt, hebt sich Venedigs Pracht
Aus tiefblauendem Schooß stiller Lagun' empor;
Schon durchfährt den Kanal, ruderbewegt, entlang
Tausend Palästen, die schlanke Gondel.

Auch auf üppiger Flur schaut' ich der Lombardei
Marmorstädte zerstreut, dicht, wie des Sämanns Hand
Streut Goldkörner der Saat; und aus dem Gardasee
Glänzte der blaue Saphir des Himmels.

Starr her ragte der Kulm drüben des Apennins,
Grün umgürtet vom Gurt dunkler Kastanien,
Tief durchklüftet vom Guß stürzender Ströme, nun
Trocken ihr Bett, und gefüllt mit Bergschutt.

Florenz, lachende Braut, lieblich im Kranze, dir
Vom leicht schwebenden Hut flattert der Rosenzweig!
Wie, durchschauert von Lust, Arno dich hält im Arm,
Winkt ihm dein leuchtender Blick Gewährung!

Hoch auf pochte mein Herz, ewige Tiberstadt,
Als mein Fuß dich betrat, als ich vom Pincio
Euch anstaunte zuerst, Wunder der Gegenwart,
Stolzer Vergangenheit hehre Wunder!

Schranklos schweifte der Blick von der Laterne Knauf,
Labyrinthisch vor mir Marmorpaläst' und Dom'!
An dein schwarzes Gestein, Mauer der Engelsburg,
Rankten sich Rosen hinan und Weinlaub.

Still hin rollte der Strom unter der Brücken Joch!
Jenseits ragt aus dem Schutt jenes gewaltige
Trümmerfeld, wo so oft jubelnder Siegeszug,
Spolientragend, zum Tempel aufstieg;

Cestus Mal und der Thurm, der der Metelle Grab, -
Rechts hin Weidegefild, - tiefer am Horizont
Schwimmt weiß schimmernder Duft - drüben ein dunkler Streif -
Hinter des Aethers Krystall die Meerfluth! - -

Nicht Stumpfsinnigen war todt hier Natur und Kunst;
Nein! Ein seliger Rausch glüht' in der Brust auch mir;
Doch ich fühlte, beglänzt selbst von Hesperiens
Heiterem Himmel, die deutsche Sehnsucht!

Bald entschwunden dem Blick war der Orangen Gold,
Lorbeerros' und Jasmin schwanden und Pinien;
Weinlaubkränze, gespannt festlich von Stamm zu Stamm,
Und von den sonnigen Höhn der Oelbaum.

Und als heim das Gespann flog, und der Rosse Huf
Deutschlands Erde berührt, die mir die heilige;
Rings verhallt der Gesang, der wie Sirenenlied
Lieblich in Schlummer die Geister einlullt;

Als mir wieder ins Ohr tönte die Sprache Teuts,
Wie laut dröhnendes Erz einst, in des Odins Hain,
Wenn, aufrufend zur Schlacht, mächtig des Skalden Schwert
An den metallenen Schildkranz anschlug;

Als dein ew'ger Kristall, Himmel Italiens,
Schwand, phantastisch Gewölk über dem Haupt mir zog,
Als Tannwälder um mich brausten, geheimnisvoll,
Schaurige Sagen der grauen Vorwelt;

Melodieen der Quell rieselte neben mir,
Blau und klar, daß im Grund jegliches Steinchen glänzt -
Da, ob eisige Luft auch mir den Bart gereift,
Jauchzt' ich Päane dir zu: o Heimath!


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Poem Submitted: Thursday, May 24, 2012



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