Joseph Christian Freiherr von Zedlitz

(28 February 1790 - 16 March 1862 / Javorník)

An Ludwig Löwe - Poem by Joseph Christian Freiherr von Zedlitz

Dein Spiel sey wahr, nie möge Dich verführen
»Der falsche Schein, der Thoren oft entzückt;
»Durch Wahrheit nur sollst Du die Herzen rühren,
»Sie ist der Demant, der den Künstler schmückt


Dieß Wort sprach weihend, an des Tempels Schwelle,
Der jüngst verschiedne Meister einst zu Dir:
Es ist gefallen auf die rechte Stelle,
Auf gutem Boden lag das Saatkorn hier.

Du, der Du selbst zum Meister nun gediehen,
Zum edlen Meister, dem die echte Kunst
Den immergrünen Priesterkranz verliehen,
Der nie gesucht der Aftermuse Gunst:

O, ruf′ es zu den jüngeren Genossen
Das große Wort, das der Geschiedne sprach:
Wie es aus seinem Munde einst geflossen,
So tön′ es nun von Deinen Lippen nach!

O, daß es doch verbreitend weiter trüge
Der Wiederhall in jedes Hörers Ohr:
Auch in der Kunst ist es der Geist der Lüge,
An den die Mus′ ihr Paradies verlor! -

Was einst gewesen, ist nicht mehr zu finden,
Die Fratze füllt den Raum, der Genius floh;
Nur Tolle sieht man spielen vor den Blinden,
Der Mime tobt, der Pöbel wiehert froh.

Der Kenner eifert unbenützte Worte,
Dann geht er seines Weges fort und schweigt:
Wie fänd′ er würd′ge Lust noch an dem Orte,
Wo keine Spur des Wahren sich mehr zeigt? -

Dir hat ein Gott den bessern Drang verliehen,
Dein Aug′ ist klar, Dein Will′ ist edel, rein;
Den Trug, den Du erkannt, Du wirst ihn fliehen,
Ein würd′ges Muster den Genossen seyn!

Und wenn des Hauses hohe Wölbung dröhnet
Vom Beifall, den das blöde Urtheil zollt:
Preis′t Wahnsinn auch, dem gleicher Wahnsinn fröhnet,
Gemeines Erz, bethört, für lautres Gold;

Und grüßt nicht eine Stimme Dich der Rotte,
Wenn, Dir zum Preis, nicht eine Hand sich regt,
Doch bleibst Du treu dem wahren Musengotte,
Der reinen Flamme, die Dein Busen hegt;

Laß Andre sich zu schnöden Götzen wenden,
Um leichte Kränze, die die Menge flicht,
Laß Andre buhlen um gemeine Spenden,
Und wenn′s die Besten thun, Du thu′ es nicht!

So zeigst Du werth Dich jener edlen Geister,
Die über′m Grab ihr Ruhm noch überlebt;
Ein würdiger Genosse echter Meister,
Um deren Haupt der Strahl der Weihe schwebt.

Und wenn verdorrt die Zweig′ und abgefallen,
Die manche Stirne unverdient umlaubt,
Wird Deine grünen! Ew′ge Blüthen wallen
Nur kurze Frist um das gemeine Haupt!


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Poem Submitted: Thursday, May 24, 2012

Poem Edited: Thursday, May 24, 2012


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