Anton Wildgans

(17 April 1881 - 3 May 1932 / Vienna)

Dann wird es still sein ... - Poem by Anton Wildgans

Dann wird es still sein. In Neapel sah
ich einst vom Posilippo auf das Meer,
die Bucht von Bajä lag im Abend da
wie eines Schildes runde blanke Wehr,
und dunkelblau die Insel Ischia -
Ein Panzerstücke, des sich ein müder Held
entledigte - und Frieden war die Welt.

Nichts drang in diese hohe Stille ein
als tiefer Brandung ferngedämpfter Ton.
Eine Zypresse hielt die Wacht allein
am Gittertore eines Parkes; von
der Mauern grauem übermoosten Stein
gossen sich Reben, Blüten rot wie Mohn -
So, wenn Dich einst mein Arm für ewig hält,
wird unser Tag sein - Frieden war die Welt.

So war's nicht immer - eh auf Kap Misen
des Kaisers schimmernder Palast entstand.
Wechselte dunkles, freudiges Geschehn,
bluteten Kämpfe um dies Stückchen Land,
wo heute junge Fischer plaudernd gehen
mit ihren braunen Mädchen Hand in Hand,
wo heute Hütten bei Ruinen stehn
und Kähne friedlich schaukeln längs dem Strand -
Der Todesschrei, die Tuba ist vergellt,
und Frieden ward in dieser kleinen Welt.

Listen to this poem:

Comments about Dann wird es still sein ... by Anton Wildgans

There is no comment submitted by members..



Read this poem in other languages

This poem has not been translated into any other language yet.

I would like to translate this poem »

word flags

What do you think this poem is about?



Poem Submitted: Wednesday, May 30, 2012



[Report Error]