Anton Wildgans

(17 April 1881 - 3 May 1932 / Vienna)

Der Hufschmied - Poem by Anton Wildgans

Heute gab mir der Schmied am Ende des Dorfes zu denken,
Eben kam ich des Wegs, als einen Hengst er beschlug.
Fichtenstämme, gewaltige, hatte der Wagen geladen,
Der vor der Schmiede hielt, fest durch ein Steinstück gebremst.
In dem gelockerten Riemzeug standen die wuchtigen Braunen,
Aber Mähne und Schweif hatten sie falber als Korn.
Warfen die Häupter klirrend im messingfunkelnden Kummet,
Peitschten die Fliegen von sich, scharrten und stampften den Grund.

Doch da nahte der Meister mit Eisen und Werkzeug, der Fuhrmann
Hob nun dem Hengste das Bein, legte den Huf sich aufs Knie.
Rasch mit dem Messer zuerst gereinigt, geschnitten, geebnet
Wurde das mächtige Hörn, knirschend flog weißlicher Span.
Jetzt mit der Zange ergriff der Meister das glühende Eisen,
Preßte dem Hufe es an, rauchend zischte er auf.
Doch da entriß sich der Gaul unbändigen Ruckes, beinahe
Wären Fuhrmann und Schmied unter die Räder gestürzt.
Aber sie duldeten nicht die Laune des störrischen Tieres,
Und mit gelenkiger Kraft wurde es wieder bezähmt.
Klingend traf nun der Hammer die Nägel, es stoben die Funken,
Und das Eisen saß fest, und das Werk war getan.

Lächelnd wischte der Meister den Schweiß von der rußigen Stirne,
Klopfte dem wiehernden Hengst freundlich Flanke und Hals.
Barg den Lohn seiner Arbeit im Sacke des ledernen Schurzes,
Rückte die Kappe und trat still in die Werkstatt zurück.
Rasch entbremste der Fuhrmann, es strafften sich Seile und Gurten,
Und im ermunterten Trott trabten die Rosse davon.

Lange noch stand ich und lauschte dem fernhinratternden Fuhrwerk,
Bis es endlich verklang jenseits des dämpfenden Walds.
Und ich gedachte des Schmieds und des helfenden Werks seiner Hände
Und auch des störrischen Gauls, der ihn beinahe erschlug.
Und ich bedachte die Menschheit und fand, sie gliche der Tierheit:
Ach, auf dem steinichten Pfad, wo sie fronend sich schleppt,
Tritt sie gar häufig sich wund und verliert das bewehrende Eisen
Und bedürfte des Schmieds, der es ihr hilfreich erneut.
Und es finden sich Brave und finden sich tüchtige Meister,
Und bisweilen gelingt's, daß sie ein Stückchen des Wegs
Weiterhelfen der keuchenden, lahmenden, blutenden Menschheit
Nur aus liebender Pflicht, achtlos der eignen Gefahr.
Aber es haben für sie die Menschen, ganz wie die Tiere,
Kaum ein Vergeltsgott, doch stets Tritte des Undanks bereit.

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Poem Submitted: Wednesday, May 30, 2012



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