Anton Wildgans

(17 April 1881 - 3 May 1932 / Vienna)

Die armen Mädchen - Poem by Anton Wildgans

Ich will ein Lied von den Mädchen singen,
Von den Mädchen des Volkes, die blaß und müd,
Von ihren Reizen, die bald vergingen,
Von ihren Seelen, die nicht mehr schwingen -
Ich will ein Lied von den Mädchen singen,
Um deren Schläfen das Leiden blüht.

Sie haben ihre Kindheit verbracht
In Zimmern, die keine Sonne beschienen,
Sie lebten in Höfen wie in Kaminen,
Wo trübe der Tag und stickig die Nacht.

Einmal waren auch ihre Hände
Biegsam und anzufühlen wie Flaum,
Aber die niedrigen Gegenstände,
Ätzende Lauge und beizender Schaum
Schufen sie rissig und schwielig, kaum
Mehr zu erkennen als Mädchenhände.

Manche freilich, die haben Füße,
So ohne Makel und unversehrt,
Als wär' ihrer Brüste, die längst verheert,
Verhaltenes Blühen und junge Süße
In diese armen verachteten Füße
Ganz leise gesunken und eingekehrt.

Listen to this poem:

Comments about Die armen Mädchen by Anton Wildgans

There is no comment submitted by members..



Read this poem in other languages

This poem has not been translated into any other language yet.

I would like to translate this poem »

word flags

What do you think this poem is about?



Poem Submitted: Wednesday, May 30, 2012



[Report Error]