DIE ERSTE BEGEGNUNG Poem by Uwe Kolbe

DIE ERSTE BEGEGNUNG

Umweg für Umweg ging hier der Schüler des Lebens
unter der sengenden Sonne eines Sommers der Götter -
nur einen gönnt! sie gönnten, und wie, nur nehmen
konnte der Schüler nicht,

ging noch auf Stelzen, traute den Wegen nicht,
die ausgerollt waren wie Teppiche hier in dem Weinberg.
Noch sang er nicht, und sein Zögern war Lästerung,
sah aus wie Vorsatz.

Niemand bezeugt den Tag, an dem ihn das Höllenkind schlug,
Efeu ihn peitschte, Stiere aufstanden,
Tiger brüllten über dem Land, und Schlangen züngelten
über dem roten Geröll.

Glauben mußt du es nicht, verlaß nur den Garten,
gehe die Straßen, Wege so lange, bis du vergessen,
wie wir es nennen, laß die vertraute Sonne einmal
wirken als Gott, der sie ist.

Sauge die Luft herein, hechle, keuche, und spucke den fetten
Seim aus brennendem Mund, pralle im Dämmer am alten Fluß
auf deine wahre Natur, dort, wo die Wasser stehen, Fische
Wasserläufer erbeuten,

endlich und hier, unter vertraut noch erscheinenden Eichen,
die aber schweigen, dunkele Wächter am Hofe der Pappeln,
Weiden, die hoch aus dem Himmel das Silberlicht leiten
in den Palast des Auwalds.

Wenn du zurückkehrst, werden sie dich nicht verstehen,
wenn du zurückkehrst. Von diesem Aufbruch wird
wenig zu sagen sein, denn Älteres kannst du nicht finden.
Da ist ein Licht in dem Wein.

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