Anton Wildgans

(17 April 1881 - 3 May 1932 / Vienna)

Die Jünglinge im Frühling - Poem by Anton Wildgans

O daß wir jung sind und so viel leiden!
Wir lächeln, wenn uns die Alten beneiden,
Die ihre Jugend wünschen zurück -
Denn was sie von ihr und dem Frühling sagen,
Für uns ist es anders und schwer zu tragen,
Uns ist der Frühling nicht Glück.

Im Winter, wenn unsere Lampen verdämmern,
Und Stirne und Schläfen vom lesen hämmern,
Weiß unsre Sehnsucht: der Weg ist noch lang -
Doch alles, was wir im Frühling schauen,
Scheint uns zu gelten und duftet von Frauen -
Dies halbe Besitzen macht uns so bang.

Jetzt sind unsere Nächte ganz behangen
Wie südliche Wälder von dunkeln Schlangen,
Betäubend wie Atem, beklemmend wie Haar.
Die lieben Träume, die früher spielen
Zu uns gekommen, die lichten und vielen,
Jetzt sind sie voll Schwüle, Gier und Gefahr.

Doch wenn wir am Tage mit Mädchen sprechen,
So sind wir ganz Mangel und ganz Gebrechen,
Sie heimlich beneidend um dies, wie sie sind.
Sie scheinen in unseren tastenden Jahren
Schon ganz vollendet, gestillt und erfahren
Und leise gerichtet auf Heim und Kind.

Und manchmal, wenn wir uns nur mühsam halten,
Möchten wir sein wie die rüstigen Alten -
Ihre weißen Haare bekümmern sie nicht
- Im Frühling sieht man sie in den Alleen
Grüngoldener Gärten gelassen gehen
Mit braunen Stirnen und klarem Gesicht.


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Poem Submitted: Wednesday, May 30, 2012

Poem Edited: Wednesday, May 30, 2012


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