Eduard Duller

(18 November 1809 – 24 July 1853 / Vienna)

Die Schlacht bei Seckenheim - Poem by Eduard Duller

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Bei Seckenheim im Felde liegt ein gewaltiger Leu,
Viel Rittersleut' in Waffen bewacht er scharf und treu;
Er hat von Gold die Mähnen, und Krallen gut zum Fang,
Es ist der Pfälzer Löwe! Noch wird der Pfalz nicht bang!

Ein andrer Löwe schreitet umher bei Jung und Alt,

Als echter Landeshüter in fürstlicher Gestalt;

Reich unterm goldnen Helme drängt sich das goldne Haar,
Die Kraft hat er vom Leuen, das Auge von dem Aar.

Es war im hohen Sommer, ein heißer Schnittertag,
Als zwischen Rhein und Neckar des Pfälzers Heerbann lag;

Da schritt in froher Ahnung zu einem alten Mann
Der junge Pfälzer Kurfürst und sprach den Ritter an:

„O vielversuchter Ritter, Ihr tragt ein herrlich Schwert,
Das manchem stolzen Degen der Schatten viel bescheert;
Hört eines Manns Begehren, der gern umarmt den Ruhm,

Weiht Uns zu hohen Ehren, zum edlen Ritterthum!"

Da spricht der alte Degen, Herr Wipprecht zubenannt;
„Kein Herz schlägt allerwegen so stolz im teutschen Land,
Als wie das meine, da ich von Euch dies Wort vernahm,
Nie flog aus meiner Scheide dies Schwert so wonnesam!"

Vor ihm kniet Kurfürst Friedrich; der alte Degen spricht:
„Heil mir, daß ich's noch schaute, bevor mein Auge bricht!
So schlag' ich Euch zum Ritter und setz' mein Leben ein:
Wird man Sieghafte nennen, man nennt nur Euch allein!

Jetzt will ich freudig sterben, und bet' aus voller Seel':

Du Gott im Himmel, löse mich rein von allem Fehl!
Nach dieser letzten Ehre taugt nur mein Schwert allein
Zum letzten frohen Siege, fall' ich, senkt's mit mir ein!" -

Jetzt aber, wie ein Sturmwind sich durch zwei Wetter drängt,
Zerbricht der Kampf die Fesseln, in die er war gezwängt.

Nun Baden, bad' im Blute, und Metz, wetz' dein Geschoß!
Ihr Hirschgeweihe zittert! - Der Leu scheut nicht den Stoß!

Das nennt man doch ein Treffen, weil viel getroffen wird:
Der Hirsch und mit der Heerde der rauhe Seelenhirt.
Um Gott! wer stürzt den Leuen dort in den dichtsten Kampf?

Er sinkt. - Nicht mehr zu kennen ist er in Qualm und Dampf.

Herr Wipprecht sieht's von ferne, und blutig spornt er's Roß:
„Mein Seel! des Friedrichs Rappen traf eben das Geschoß![8]
Da stürzt sein edler Renner! schon sind die Feinde nah!
O Friedrich! wackrer Pfälzer! vertrau nur, ich bin da!"

So ruft der alte Degen und eilt zu seinem Herrn,
Herr Wipprecht sinkt getroffen, und spricht: „Das leid' ich gern!"
Der Kurfürst aber schwingt sich rasch auf ein andres Pferd,
Getrennt zwar von den Seinen, doch siegreich blitzt sein Schwert.

Er streckt mit eignen Händen wohl Manchen in den Sand,

Da schallt's von allen Enden: „Sieg! Sieg! du Pfälzerland!"
Nun bad' im Blute Baden! Es ist dein eigens Blut!
Der Hirsch wirft sein Geweihe! Der Leu traf ihn zu gut!

Man fing viel edle Herren und Grafen auch dabei,
Von Würtemberg und Baden sind's ihrer wackre zwei,

Der junge Pfälzer Kurfürst erblickt den edlen Fang,
„Ein seltnes Jagen!" - ruft er - „Euch Füchse sucht' ich lang!"

Da regt sich's ihm zur Seite - es war ein sterbender Mann,
Der schaut mit freudigen Blicken den jungen Sieger an;
Herr Wipprecht war's von Helmstätt: „Gott schütze meinen Herrn!

Denn sieghaft wird er heißen! jetzt sterb' ich, wahrlich, gern!

Denn ich schlug ihn zum Ritter, ich alter Degen, ja!
Man wird von Friedrich sprechen mit Ruhme fern und nah,
Mit mir soll man begraben dies Schwert, das stets ich trug,
Das war es ja, mit dem ich ihn heut zum Ritter schlug!"


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Poem Submitted: Saturday, May 19, 2012

Poem Edited: Saturday, May 19, 2012


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