Anton Wildgans

(17 April 1881 - 3 May 1932 / Vienna)

Fragment eines Weltschöpfungs-Mythus - Poem by Anton Wildgans

Und es geschah, daß Gottes Bildnerhand
Ausruhete, und seine Weisheit fand,
Daß es so gut sei. Heller Tag und Nacht
Wechselten nach Gesetzen. Seiner Macht
Basaltne Throne, Schemel seiner Füße,
Wuchteten die Gebirge auf der sausenden
Erde warmer Beste. Zu viel tausenden
Sprangen die Quellen, einten sich zu Flüssen,
die niederdonnerten zum Meer, das flutete
Und ebbte. Allerlei Getier . . .

Und Satan lästerte den Herrn und rief:
Hörst du den Adam durch die Nacht, die tief
Und lüstern ist, wie deine Leoparden schrei´n?
Schufst du aus seiner Rippe, als er schlief,
Das Weib ihm nicht? - Was sollen sie zu zwei´n? -
Wozu ist dieser Baum mit seiner Frucht,
In deren Fleisch dein Fluch ist, der versucht
Und reizt, zu trotzen ihm?

Ich will am Menschengeist zugrundegehen,
Du magst an seiner Dummheit ewig leben!

Du bist das Sein, ich aber bin der Geist!

Du schufst die Welt, die dich entbehren kann!
Sind nicht Gesetze schon, die du nicht gabst,
Die selbst sich bildeten und jenseits aller Macht
Fortwirken werden in die Ewigkeit?

Du gabst ein Weib ihm, mehr ein Tier, doch ich
Ließ ihn die weiße Schönheit Lilliths sehen . . .


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Poem Submitted: Wednesday, May 30, 2012



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