Anton Wildgans

(17 April 1881 - 3 May 1932 / Vienna)

Giovedi grasso - Poem by Anton Wildgans

Und als der Tag langsam herangeblasst
Durch düstern Himmels graue Nebelmassen,
Ward letztes Licht gelöscht in allen Gassen
Und letzter Tanz getaumelt und gerast.

Die Masken nun von Müdigkeit erfasst
Mit überwachten und verdunsenen, blassen
Gesichtern, ganz in Schmutz und Schweiß zerlassen,
Schleppten sich schwankend fort wie schwere Last.

Pierrot, zerfetzt, gespenstisch abgezehrt,
Vom Rausche halb und halb vom Schlaf versehrt,
Schien dennoch Reue mehr und Trauer.

Doch Colombine ihm zur Seite, stößt
Ihn plötzlich an und lallt: „Gib acht... mir wird ...'
Und schon erbrach sie sich an einer Mauer.

An seidenen Fetzen sprang der Wind hinein,
Biss kalt ins Fleisch und fröstelte die Glieder
Indes vom Kinn herab bis unters Mieder,
Ihr das Gebrochene in Strömen rann.

Pierrot fuhr auf, sah sie betreten an
Und hüstelte halbwach: Was gibt's schon wieder?
Und sich beschauend und zum Boden nieder
Begriff er langsam, was das Weib getan.

Allein die Maske, die indes zu Ende,
Rieb eilig, weil sie anderes nicht fand,
Mit ihrem Spitzentüchlein Brust und Hände

Und dann, ein wenig wieder bei Verstand,
Entbrach ein Lachen den verzerrten Zügen
Und kreischend rief sie: „Ach, welch ein Vergnügen!'


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Poem Submitted: Wednesday, May 30, 2012



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