Anton Wildgans

(17 April 1881 - 3 May 1932 / Vienna)

Herbe Erkenntnis - Poem by Anton Wildgans

Wie Freunde sich nur allzuleicht entzwei'n
Durch Weiberränkespiel - und tausendfach
Geschieht dies zu der Männer Not und Schmach! -
So leicht der Erde fremd wird Menschensein.

Dir, aufgewachsen zwischen Häuserreihn,
Ist Element nur lästig Ungemach,
Regen und Wind nur Anlaß für ein Dach
Und bloß Beleuchtung Mond und Sonnenschein.

Daß Hagel wüstete in voller Saat,
Daß Frost der Trauben süßes Gut verbrannt,
Weißt du vom Preis, den Wein und Brotfrucht hat,

Und ahnst ihn kaum, der jeden Stock gekannt
Und rauher Hand die erde aufgepflügt,
Die Erde, die sein Tagwerk oft betrügt.

Und doch ist sie nur sein, die Erde, sein!
Nicht dein, du Buhler, der sie bloß besucht,
Wie man durch Zufalll einkehrt, auf der Flucht
Aus lärmenden Getriebes Gier und Pein.

Und was du schwärmend träumst in sie hinein,
Ist eitel Nichts, gemessen an der Wucht,
Die keinen andern Segen kennt als: Frucht!
Und keinen Fluch denn: Mißwuchs, Unkraut, Stein!

Nur jenem frohnt sie, der mit hartem Stoß
Ihr täglich neue Muttermünder schafft
Und sie besamt mit seines Lebens Saft:

Mit Schweiß und Blut! Nur ihn erfreut ihr Schoß!
Für Schwärmers spielerischen Zeitvertreib
Verweigert sie den Ernst gewohnten Leib.



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Poem Submitted: Wednesday, May 30, 2012

Poem Edited: Wednesday, May 30, 2012


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