Anton Wildgans

(17 April 1881 - 3 May 1932 / Vienna)

Jahrmarkt - Poem by Anton Wildgans

Kommt herein ihr edlen Herrn und Frauen!
Alles mögliche ist hier zu schauen. -
Eure Herzen könnt ihr hier erbauen.

Vor allem einmal in diesem Schreine
seht des heiligen Ixtus Gebeine -
sie sind ihm auf seinem irdischen Wallen
drei viermal zusammengefallen.
Man hat sie begraben und ausgegraben,
so dass wir sie jetzt viermal haben.
Zu sehen ist gleich daneben da
das Schweißtuch der Veronica.

Noch beklebt mit Blut und Haaren -
auch in mehreren Exemplaren.
Die Vorhaut Christi, die Milch seiner Mutter
und dann das wiedergegebene Futter
von jenem gebenedeiten Eselein,
auf dem der Herr ritt zur Stadt hinein -
indes es klang auf Straße und Buden -
Hosiannah - dem König der Juden.
Das letzte und beste - nun öffnet Augen und Ohren
das Hymen, das Jungfrau Maria verloren,
als sie auf ihrer Himmelfahrt,
zu sehr vom Winde gerüttelt ward.

Und wenn ihr das glaubt, so sollt ihr erfahren
einen Ablass von mindestens hundert Jahren.
Nun werft euer Scherflein in den Opferstock rein,
dann geht ihr sicher ins Himmelreich ein.

Hallo - hallo - mein leerer Teller
sperrt seinen hungrigen Rachen auf -
Hereinspaziert -! Nur zwanzig Heller -
Geboten wird genug vollauf -
Alles will ich euch sehen lassen,
Bocksprünge, bizarre Grimassen.
Ich spiele Verbrecher und Idioten
und imitiere das Schnarchen der Toten.
Alle Tierstimmen mögt ihr vernehmen.
Euch freuen an allen Phänomenen.
Nur lachen sollt ihr und euch ergötzen.
Halt da - was kümmern dich die Fetzen.
Was? - Ob ich da hinten noch ein Zimmer.
Ja - Und was das für ein elend Gewimmer.
Oh pardon - dass es euch stört,
ich hatte keine Ahnung, dass man das hört -
Sie glauben am Ende, das man sie quäle -
Wen, fragen Sie?
Ach, nur meine Seele.

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Poem Submitted: Wednesday, May 30, 2012

Poem Edited: Wednesday, May 30, 2012


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