Eduard Duller

(18 November 1809 – 24 July 1853 / Vienna)

Kaisers Wort, Gottes Wort - Poem by Eduard Duller

Was gilt ein Wort in dieser Zeit?
Das lohnte sich zu wissen,
Da sich die That in Worte breit
Recht fasrig hat verschlissen;

Ein Wort, ein Wort, sagt an, was gilts?
Kann man's noch brauchen statt des Schilds,
Vor Strolchen sich zu wehren?
Hei! redlich Wort
Find't schlechten Ort,
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Man hälts nicht mehr in Ehren.

Da reiten Zwei, so frisch und frei,
Sie haben gut Vertrauen:
„Ein Kaiserwort, das hält wohl treu,
Darauf läßt sich wohl bauen?
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Und ob die Pfaffheit uns bedräut,
Der Kaiser gab uns frei Geleit,
Der Kaiser wird's wohl halten.
Ein Kaiserwort,
Ist guter Hort,
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Wie Kaiser-Mantels Falten."

Zween Meister ihr aus Böhmerland,
Ihr solltet's besser wissen:
Ein's Mannes Wort zu Mannes Hand,
Das ist ein sichrer Kissen,
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Kein Mann gab's, nur der Kaiser sprach's; -
Hei! schmilzt sein Wort wie schnödes Wachs
Am Kirchenlicht der Pfaffen?
O freies Wort,
Du einz'ger Hort!
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Wer wird dein Recht dir schaffen?
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Zu Costnitz war ein heißer Tag,
Die Sonn' stand just im Krebsen;
Wohl mancher Pfaff bei Tafel lag
Oder gar bei seiner Kebsen.
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Aus Böhmerland die Meister beid',
Sie lagen in gar tiefem Leid,
Von aller Welt verlassen;
Im dunkeln Thurm
Bei Molch und Wurm,
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In eisernen Ringen sie saßen.

Ha! ist das auch ein frei Geleit,
Geleit zum Scheiterhaufen?
O Zeit des Worts, o böse Zeit,
Worein wird Gott dich taufen?
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Er wird's in Feuer und dann in Blut;
Das alte Uebel heilt nicht gut,
Als nur durch's letzte Mittel.
Die Asch verstäubt,
Die Wahrheit bleibt

Und bleibt im Ketzerkittel.

Hei! was ein frommer Mummenschanz
Zu Costnitz vor den Thoren!
Der Aberwitz hielt Wallfahrtstanz
Und schüttelte die Ohren.

Sie schwenkten manches Weihrauchfaß,
Sie räucherten ohn' Unterlaß,
Bis daß man den Himmel nicht kannte,
Bis lichterloh
Wie leeres Stroh

Des Kaisers Wort verbrannte.

Aus Böhmerland die Meister beid',
Wichen nicht von einander,
Sie hielten aus in Lauterkeit,
Zween treue Salamander.

Und als die Flamme höher fraß,
Bis sie an Hußens Herzen saß,

Als wie ein hungriger Geier,
Da sprach der Huß
Den Abschiedsgruß,

Das Flammenwort aus dem Feuer:

„Die Flamme frißt ein Kaiserwort,
Man weiß nicht, ob's gewesen;
Doch Gottes Wort bleibt ewig fort,
In Flammen steht's zu lesen.
Mein Vaterland, du herrlich Land!
Was Kaiserwort, hast du erkannt,
Es hält nicht gar beständig.
Doch Gott ist treu,
Drum werde frei,
Gott macht die Todten lebendig!"

Und als der Leib in Asch' zerfiel,
Frei athmeten die Pfaffen;
Sie ließen drauf ein böses Spiel
Von Henkers Händen schaffen;
Der Henker nahm im frechen Raub
Des edlen Hußen heil'gen Staub
Und blies ihn nach allen vier Winden;
An keinem Ort -
Wie Kaisers Wort
Sollt er sein's Bleibens finden.

Doch Vöglein kamen allerhand
Geschäftig hergeflogen,
Sie wuschen rein am Seees Strand
Die Flüglein in den Wogen,
Und stahlen weg des Märt'rers Staub
Und trugen treu den edlen Raub
Nach Böheim unter den Flügeln.
Sie luden ihn ab
In ein großes Grab,
Umschanzt von Wäldern und Hügeln.

Wo ist das Grab, wo er Ruhe fand,
Wer kann die Stätte mir nennen?
Es ist das ganze Böhmerland,
An Grabesruh zu kennen.
Ja, Freiheit ist zu Grab gebracht;
Da kam eine linde Majennacht,
Recht gut zur Leichenfeier.
Manch Knösplein stand
Im Böhmerland,
Und seine Blüthe ward theuer. etc. etc.


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Poem Submitted: Saturday, May 19, 2012

Poem Edited: Saturday, May 19, 2012


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