Anton Wildgans

(17 April 1881 - 3 May 1932 / Vienna)

Letzte Instanz - Poem by Anton Wildgans

In die Talare, die mit Hermelinen
Verbrämt sind, majestätisch eingehüllt,
Sitzen die greifen Sieben, während ihnen
Der eine aus dem Akt ein strenges Bild
Des Falles gibt, der längst sich abgespielt
Und irgendwo im weiten Reiche.

Gelärm und Leidenschaft des Streites schrillt
Nicht bis zu ihnen her - was Jagen war
Nach Sieg und Vorteil, schon ein Jahr
Vielleicht ist es gebannt,
Gefangen in Gehirne. Sichtender Verstand
Hat es geordnet, regelrecht durchdacht
Und mit der Klarheit manch durchwachter Nacht
Durchleuchtet.

Und nun, des wirren Beiwerks bloß und bar,
Ist es auf einmal nicht mehr ohnegleichen
Und trägt für ihren scharfen Blick die Zeichen
Dessen, was schon zu tausend Malen war.

Vielleicht, daß noch ein Nichts, ein Etwas bleibt,
Das diesen Fall von andern unterscheidet.
Allein, die Hand, die an dem Urteil schreibt,
Vermeidet,
Daran zu rühren, weil es nicht entscheidet.

Und ein Gerippe legt die Wage hin
Und nimmt das Schwert und macht sich selbst zum Boten
Des Spruches, welcher seinen Sinn
Schon längst verloren, und zerhaut den Knoten.

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Poem Submitted: Wednesday, May 30, 2012

Poem Edited: Wednesday, May 30, 2012


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