MIMOSEN Poem by Durs Grünbein

MIMOSEN

Manchmal spätnachts kehrt er wieder, dieser eine Tag Rom,
Wenn im Zentrum der Glaskugel das Schneegestöber sich legt,
Deine Finger südwärts gleiten, und meine.
Das Metronom
Der Stunden setzt aus und wir sind - in der ewigen Glyptothek.
Noch einmal die Taxifahrt, vorbei an den abgenagten Arkaden,
An Kapitellen, geköpft von der Zeit, Torsi, von Sonne gepellt.
Dann die Ankunft hinterm Rücken klatschnasser Najaden,
Um schließlich einzutauchen in Berninis phantastische Welt.
Was es da alles gab! Gazellen in Röcken und hautengen Hosen,
Obelisken, von Elefanten getragen, Marmor, zusammengestückt.
Barocke Wolkenhimmel, die man hier aus Espressotassen trank.
Fliegende Händler verkauften bei Rot an den Ampeln Mimosen.
Ein Tag nur, der bei Berührung schrumpfte zum Augenblick -
Eh wir zwei, eng umschlungen, in den Hotelspiegel sanken.

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