Anton Wildgans

(17 April 1881 - 3 May 1932 / Vienna)

Notturno - Poem by Anton Wildgans

Neulich sommernachts ging ich nach Haus.
Alle Straßen waren ausgestorben,
Nur die Kittelmänner mit den Stangen
Gingen von Laterne zu Laterne,
Löschten jede zweite Flamme aus.

Wie in der Halle klang mein Tritt,
Oben standen klar und zart die Sterne.
Hinter Dächern silbern aufgegangen
War der Mond, und sein Reflexbild glitt
Über mir vom ein zum andern Fenster
Und hielt Schritt.

An der Ecke, die ich jetzt umbog,
Drang mir lau und leicht der Wind zur Seite,
Duftete nach kühlem Abendregen,
Dunklen Beeten, feuchten Gartenwegen,
Staub und Kehricht übers Pflaster treibend
Und ein Zeitungsblatt, daß mir zu Füßen flog.

Meines Stockes Spitze setz' ich drauf,
Bannend so den raschelnden Begleiter.
Stand darauf verwaschen und verdorben,
Daß ein großer König sei gestorben -
Ließ es los, da nahm der Wind es auf
Mit dem andern Mist und trug es weiter.

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Poem Submitted: Wednesday, May 30, 2012

Poem Edited: Wednesday, May 30, 2012


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