für Mirela Ivanova
Und immer liegt ein Hund sehr flach auf einem Gehweg.
Und immer geht da eine Katze auf dem Sims im zweiten Stock.
Und immer stehen Helden, Heilige und Weltenherrscher in dem Park.
Und immer der Verkehr, das Mordgesindel in dem Blech,
nur einmal hält ein Trolleybus ganz sanft
und sagt, nun geh doch.
Und immer ist die Kirche höher, heller hier als sonst im Land,
bespricht ein schlanker Priester mit dem jungen Paar
die Taufe dieses Kindes, und er neckt es so, als netzte es
das Wasser schon und schüttelte es sich.
Und immer links der Engel, hingeneigt, dynamisch
mit der frohen Botschaft,
und immer rechts die Jungfrau in Gewändern, mehr als züchtig,
die fürchtet sich trotzdem.
Und immer Galerien aller Heiligen Sofias und der Christenheit,
es können nie genug sein, immer Muttergottes links
und rechts der Sohn,
und immer ihrer aller Blicke streng, auch dieser jungen Heiligen
Ekaterina, leuchtend in dem rot und goldenen Gewand
und knabenhaft darunter, ihr Gesicht der schönsten
noch vor allen, glücklich, der sie malen durfte.
Und immer gehe diese Schönen weg, wenn ich sie gerade treffe,
die Reihen heiter Schreitender zur Miss Europa-Wahl,
sie gehen, auch die starken, dunklen Männer, Hunderttausende
in alle Welt hinaus, nach Leipzig und Paris und Kanada,
und bleiben dort und überweisen Geld, wenn sie es haben.
Und immer möchte ich hier mit ihnen tanzen und der Einen,
doch bleibe ich der Gast, der geht daher und schaut
und wünscht hier abermals zu bleiben wie schon dort einmal,
auch hier wird nichts daraus, ich bin zu wenige.
Und immer schreib ich nur Maria und Mirela einen Brief
und Vesselina, Galja und Emilija,
und immer mit dem Wunsch, wir mögen eins dem andern
eine Sprache sein.
Wahrscheinlich, wenn ich's leise sagen darf, bin ich verliebt
in eine Lady, die vor ihre Ladentüre tritt, sich hinhockt
und dem Straßenhund sein Futter gibt sowie
dem abgerissnen Kerl am Straßenrand noch ein paar Worte,
und sie scherzen hin und her.
Und immer hat die schöne Schwester eine Schwester, die
ist Künstlerin, sie selber singe, lerne Spanisch,
und ihr Englisch klingt sehr flink.
O ja, sie habe viel zuviel zu tun an Wochentagen, o je,
zum Glück sei heute Sonnabend,
und immer spricht sie, wenn ich's recht verstanden habe,
von dicken Frauen in Solun, die gingen hoch erhobnen Haupts
durch ihre Straßen, doch - nicht wahr? -
schön seien die Bulgarinnen.
Und immer sag ich ja, das ist so, und denk dabei,
mein Gott, es haut mich um.
Und immer hat der Schwester Schwester einen Freund
aus Krefeld, sie seien eben unterwegs im Land,
und immer warnt sie vor Zigeunerinnen, ich bin täglich einmal
Gott gefällig mit paar Münzen, ‘Bog' wird danken,
sagt die Alte und blickt sehr weit hoch hinauf.
Und immer musst du auf die Linksabbieger achten,
im Traum so wie im Wachen,
und immer warten Männer in den Autos an den Straßenrändern,
sie warten, scheint es, auf das Leben,
und jene, die es besser haben, haben noch ein Haus im Dorf
am Meer, die andern oben in den Bergen,
und alle schicken ihre Kindlein auf die Sprachenschulen,
von denen es genügend gibt.
Und immer ist die Tochter leider auch ein wenig affektiert,
schaut ihre Mutter aufmerksam den fremden Herren an
und lässt sich übersetzen, anmutig wiegt sie ihren Kopf.
Und immer ist das Telefon zur Hand, kann sein, der Prinz
ruft an, bei jenen ernst blickenden jungen Männern
vielleicht das ‘goljam business' - soll ich
es ihnen wünschen? -, vielleicht die Mutter ihren Sohn.
...
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