Anton Wildgans

(17 April 1881 - 3 May 1932 / Vienna)

Stille Plätze - Poem by Anton Wildgans

Die Plätze lieb' ich, die an Nachmittagen
So wunderstill in tiefem Schatten liegen -
Da träumen sie und sind verschwiegen
Vom Tritt der Menge und vom Lärm der Wagen.
Da wölbt ein Dom sein dunkelndes Portal,
Dort lehnt ein blinder Invalide am Pilaster,
Scharen von Tauben trippeln übers Pflaster,
Und jeder Schritt hat seinen Widerhall...

Doch morgen ist's vielleicht - da flattern Fahnen
Im Sonnenblitz, wo heute Dämmerungen.
Uralte Schlachtenweisen mahnen
Gebückte Körper grauer Veteranen
An junge Strammheit und verlernten Schwung.
Und Volk ist da, zu jubeln und zu schauen,
Im Sonntagsschmucke greis und jung -
O, edler Mütter heimlich stolzes Grauen
Und Knabenblicke voll Begeisterung
Und ernster Männer sinnendes Gedenken
Der Helden aller, die nicht heimgekehrt -
Da fühlt ein jeder in der Faust ein Schwert
Und will dem Vaterland sein Leben schenken...

Nur hier und dort ist einer in der Menge,
Dem Vaterland und Schlachtgesänge
Wie Worte sind aus einer fremden Kunde,
Und der so arm in all der Füller steht,
Daß keine Liebe ihm und kein Gebet
Den Segen gibt solch fahnenfroher Stunde...

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Poem Submitted: Thursday, May 31, 2012



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