Anton Wildgans

(17 April 1881 - 3 May 1932 / Vienna)

Und ihre Kinder - Poem by Anton Wildgans

Das fristet jetzt mit bleichsüchtigen Gliedern
Ein Leben irgendwo bei Klosterbrüdern
Im Waisenhaus - nur sonntags manches mal
Dürfen sie in verschlissenen Livreen
Und Kappen durch die schönen Straßen gehen,
Paarweise und mit tristem Trommelschall.

Dann treten sie ins Leben mit den Malen
Der schändlichen Geburt, den lasterfahlen -
Für sie wird alles, selbst das Kleinste schwer,
Sie tragen ihrer Mutter Mädchennamen
Wie eine Schwäre, die sie mitbekamen;
Von ihrem Vater wissen sie nicht, wer -

Man ist vor ihnen immer auf der Lauer,
Für sie gilt jegliches Gesetz genauer
Und als Beweis, was sonst kaum als Verdacht.
Man weiß, sie haben wenig zu verlieren,
In ihren ganz vergriffenen Papieren
Sucht man nach Strafen, die sie durchgemacht.

Vielleicht, daß einige von ihresgleichen
Für ihre Kinder noch das Licht erreichen
Und ihnen geben, was sie selbst vermißt -
Die meisten aber sterben wie der Schächer,
Der linke, der nicht weiß, daß der Verbrecher
Am Kreuz daneben Jesus Christus ist.


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Poem Submitted: Thursday, May 31, 2012

Poem Edited: Thursday, May 31, 2012


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