Anton Wildgans

(17 April 1881 - 3 May 1932 / Vienna)

Vae Victis! - Poem by Anton Wildgans

Nun, alle Jungen, hebet an zu preisen!
Der Tag der großen Rechenschaft bricht an.
Da wir mit heißem Blut und kaltem Eisen
Ein wundersames Menschenwerk getan.
Dem Lügengeist, der lang genug vergiftet,
Wird schauerlicher Untergang gestiftet,
Und heilige Adler stürmen himmelan.

Nur scheinbar wird um Markungen gerungen,
Um offnen Weg auf festem Land und Meer,
Lobpreiset mit mir, Millionen Jungen!
Kein Krämergötze führt das Bruderheer
Um Menschenwürde und um Menschenrechte
Bekriegen freie Männer dumpfe Knechte
In frech heraufbeschworner Gegenwehr.

Sie wollten mit verfluchten Ränkemitteln,
Mit Mord und mit Verrat an Treu und Eid
An unserer Ordnung starken Festen rütteln
Und uns verkümmern die Gerechtigkeit.
Allein der Geist des Rechtes leuchtet stärker
Und ist ein gar gewaltiger Feuerwerker
Von Ewigkeit zu aller Ewigkeit.

Ein unerhörter Wahnsinn ist entbunden
Und tanzt zum Tubenklang des Weltgerichts.
Aus hunderttausend aufgewühlten Wunden
Verdampfen herzen in das eisige Nichts.
Doch aus dem Gift gigantischer Verwesung
Holt einst die Erde Kräfte der Genesung
Und neue Blüte ihres Angesichts.




Und aus dem Wahnsinn wird der Geist sich lösen,
Der streng der Menschheit neue Ordnung schafft,
Und aus der Not des allgemeinen Bösen
Erhebt das Gute sich mit klarer Kraft.
Was faul und tückisch, finster und verwachsen,
Verliert die Steuerung und bricht die Achsen
Und wird vom heiligen Sturm hinweggerafft.

Weh den Besiegten! Härtester der Sprüche,
An ihren Nacken wird er kalt vollstreckt,
Mit Schlächterruhe ohne Haß und Flüche
Zermalmt die Brut und was sie ausgeheckt.
Der Sieger wird die Großmut unterdrücken
Und über schmählich hingekrümmte Rücken
Hinstampfen wie auf häßliches Insekt.

Und as ist recht so und ist wahre Güte!
Mitschuldig wird, wer Niedertracht vergibt.
Wer gegen Wut gefeit sein will, der wüte!
Den Wolf verdirbt, wer seine Lämmer liebt.
Zu viele reine Tränen werden fließen,
Zu viele Augen sich in Qualen schließen,
Die nie ein Hauch von Haß und Neid getrübt.

Zu viele Frauen werden sich verzehren,
Zu viele Kinder werden Hunger schrein,
Zu viele Äcker nach dem Pflug begehren,
Zu viele Werke ohne Hände sein.
Und zu viel Glück und liebendes Bemühen
Wird hingemäht in seinem vollsten Blühen,
Und ohne Tröstung bleibt zu viele Pein.

Weh den Besiegten! Aber weh auch denen,
Die nach der ungeheuren Remedur,
In alter Laßheit ihre Kraft vergähnen,
Hintrottend auf der ausgetretnen Spur!
Ein neu Geschlecht mit ungeahnten Nerven
Wird sie erbarmungslos zu Boden werfen
Nach ehernem Gesetze der Natur.

Ja, wehe allen, welche dann noch Taube
Und Blinde bleiben gegen Bruderleid!
Das neue Vaterland, der neue Glaube
Wird neue Liebe heischen von der Zeit.
Wer dann in enger Ichsucht weiternistet,
Der wird hervorgeholt und ausgemistet,
Und all sein Wandel ist vermaledeit.

Das ist der Sinn von diesem großen Sterben,
Ihr, die ihr dann noch lebet, merket gut:
Die großen Taten wollen große Erben,
Ihr Todesmut will unsern Lebensmut,
Ihr ungemeines opferndes Verrichten
Bewirkt ein neues Maß für unsre Pflichten,
Und wehe dem, der dann nicht liebt und tut!

So zieht denn aus mit alten Schlachtenweisen,
Geweiht Heere, Helden Mann für Mann!
Jetzt wird mit heißem Blut und kaltem Eisen
Ein wundersames Menschenwerk getan.
Die größte Tat ist eurer Kraft beschieden:
Dem heiligen Kriege folgt der heilige Frieden,
Und weiße Tauben schweben himmelan.


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Poem Submitted: Thursday, May 31, 2012

Poem Edited: Thursday, May 31, 2012


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