[Warte, laß mich die Schwelle...] Poem by Cristina Ali Farah

[Warte, laß mich die Schwelle...]

Warte, laß mich die Schwelle mit geschlossenen
Augen überschreiten
der Thron des Königs ist leer,
der Handschuh verweist auf das Amt,
die Macht ist aufgelöst
Du verhüllst und enthüllst, schräger Blick,
allgegenwärtig
Wie leicht ist es doch, das Auge zu täuschen
(du verbirgst den beschuldigten Arm)
und die Grenzen der Leere zu umreißen

Mit bloßen Händen grub ich im Boden
um das Geheimnis zu finden und das, was übrig ist
von dreitausend Jungfrauen aus Terrakotta
Wasseradern, Nester und Gräber unter Schichten
von Sand und Haut
Meine Finger zeichnen Splitter und Spiegel,
ausgelöscht aus dem Gedächtnis

Ich gehe zurück im Takt der Zeit
meine Mutter, die Mutter meiner Mutter,
durchbohrte Matroschkas
Gebt mir eine Kerze damit ich hineinsehen
und sie wiederherstellen kann, die Landkarte
der Liebe in den entweihten Körpern

Übersetzung von Sigrid Vagt

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