Zoomen Poem by Tadeusz Dąbrowski

Zoomen

Heute habe ich mir aus deinem Nacktbild ein Auge
ausgesucht und auf Bildschirmgröße gezogen, bis
an die Grenzen der Auflösung (die so hoch ist, dass
man schon fast an dich glaubt). Ich habe dein

rechtes Auge gezoomt, wollte mit dem letzten Klick
auf die andere Seite springen, deine Seele
schauen oder wenigstens mein eigenes, völlig
aufgeklicktes Selbst. Ungefähr bei der vierundvierzigsten

Vergrößerung erkannte ich undeutlich meinen Schatten-
riss, bei der sechsundsechzigsten kurz die Umrisse
einer Kamera, die keiner sieht außer mir. Und
dann nichts als graue Rechtecke,

dicht verfugt wie eine Ziegelwand, wie
die Blöcke der Klagemauer, vor der ich Tag und Nacht
ausharre, hartnäckig ihre Ritzen zersetzend
mit meinen Zetteln voll Gedichten.

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