RÓŽA DOMAŠCYNA Poems

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1.
Der schäfer strickte

lebensbäume in brautstrümpfe
schickte dreizehnjährige weihnachtssängerinnen
mit schlüssel zepter und erlöserpuppe
von ort zu ort
dann sah er bulldozer kommen
sah wie sie die orte zusammenschoben
und wegkarrten schließlich
wurde des teufels geschenk ausgegraben
schwarz die landschaft wurde schwarz
grube reihte sich an grube später restloch
an restloch jedes heißt see
für jeden ort wurde ein stein aufgestellt
auf der planen fläche die sich ums grün müht
immer noch sang er die lieder der weihnacht
in seiner sprache im traum sah er die mädchen
gänzlich verhüllt in gestickten schleifen jedes
nannte sich DAS KIND und ging zu den kindern
des ortes diese zu streicheln die erwachsenen
mit der rute zu streifen damit sie erkennen
was sie da tun
danach war der tag einen hühnerschritt länger

als er ging zog er das jahr nach
die mädchen zogen von hier nach dort
zu pfingsten hatten sie die sprache gewechselt
verloren schlüssel zepter und erlöserpuppe
später kamen sie manchmal auf den pfaden
zum see sahen elch und esel dort äsen
in solarbetriebenen katamaranen fuhren sie
von see zu see als ob sie was suchten
doch die weihnacht behielt das geheimnis
der sängerinnen die art die kinder zu streicheln
behielt das bild der orte den pfad zum schäfer
der lebensbäume in brautstrümpfe strickte
für den nächsten tag einen hühnerschritt länger
...

2.
Der schäfer strickte

lebensbäume in brautstrümpfe
schickte dreizehnjährige weihnachtssängerinnen
mit schlüssel zepter und erlöserpuppe
von ort zu ort
dann sah er bulldozer kommen
sah wie sie die orte zusammenschoben
und wegkarrten schließlich
wurde des teufels geschenk ausgegraben
schwarz die landschaft wurde schwarz
grube reihte sich an grube später restloch
an restloch jedes heißt see
für jeden ort wurde ein stein aufgestellt
auf der planen fläche die sich ums grün müht
immer noch sang er die lieder der weihnacht
in seiner sprache im traum sah er die mädchen
gänzlich verhüllt in gestickten schleifen jedes
nannte sich DAS KIND und ging zu den kindern
des ortes diese zu streicheln die erwachsenen
mit der rute zu streifen damit sie erkennen
was sie da tun
danach war der tag einen hühnerschritt länger

als er ging zog er das jahr nach
die mädchen zogen von hier nach dort
zu pfingsten hatten sie die sprache gewechselt
verloren schlüssel zepter und erlöserpuppe
später kamen sie manchmal auf den pfaden
zum see sahen elch und esel dort äsen
in solarbetriebenen katamaranen fuhren sie
von see zu see als ob sie was suchten
doch die weihnacht behielt das geheimnis
der sängerinnen die art die kinder zu streicheln
behielt das bild der orte den pfad zum schäfer
der lebensbäume in brautstrümpfe strickte
für den nächsten tag einen hühnerschritt länger
...

3.
Der wasserwolf

durch fügung besamt wuchs aus eiern
und sperma leben entwickelten sich fische
angriffsbereit mit perfekter tarnung
im hechtteich der unersättlichste
setzte sich durch fraß jeden der nicht aufpasste
ein standfisch imposant zunehmend bewundert
es gesellten sich zu ihm spiegelkarpfen plötzen
flundern wollten kuppeln kopulieren kupfern
er umkreiste sie elegant besah sie -
und schnappte zu sein körper wurde voller
sein aktionsgebiet spannte sich über weite teile
des erdballs die schwächeren hatte er nach
und nach erledigt er war der beste der schnellste
der schönste der aufsteiger der einzig heutige
ein zurückzucken hatte er nicht gelernt
die fische nahmen ab einige arten
waren bald gänzlich gefressen er reihte
teich an meer an ozean durch kluge manöver
bis schließlich jedes gewässer sein war
und kein anderer fisch mehr neben ihm
da wurde er variabel fraß nun wasservögel
frösche und kleinsäuger alles was nicht
bei drei auf dem baum war
über opfer redete keiner mehr
der einzelgänger besah sich im spiegel
des wassers glänzten seine schuppen
golden
...

4.
Er versaß sein leben

er saß hinter dem fenster mit blick zur straße sah
die autos vorbeifahren die leute eilen oder schlendern
jene die er schon als kinder gesehen hatte
sah er mit dem gleichen ausdruck an als sie erwachsen
waren sie sahen ihn nicht altern aufstehen vors haus
treten das war ihm nicht wichtig er wusste sie alle
zuzuordnen kannte auch die hunde die mit den jahren
wechselten die partnergestalten der nachbarn
die sichtbare krankheit jedes einzelnen so hatte
auch schon sein vater die dinge ausgesessen
und gesehen auf dem überdimensionalen bildschirm
in dem die jahreszeiten die bäume zurichteten
und die dächer bestäubten schnee hagel
er war immer mitten in der jahreszeit am meisten
mochte er den spätherbst das pfeifen in der esse
wenn jemand ins fenster sah und ihn grüßte
schrak er zurück er unterhielt sich oft und gern
mit den gegebenheiten erzählte geschichten
hielt reden und hatte antworten auf alles
was er je gesehen hatte
...

5.
Beute machen

jemanden wissen der fledermäuse hat
ihm speck auf die butter träufeln
eine henne für ein ei geben
und mit zungenhonig einseifen
jemandem schwarzes weismachen
die federchen ausreißen
den nagelwuchs beschneiden
wermut in den likör gießen
mit einer feder unter die nase fahren
und mit einem halm die galle
aus dem herzen saugen
jemanden am seidenen zügel führen
nach dem fest zum mahl bitten
unter die bank stoßen
mit der gabel kitzeln
in den schwitzkasten nehmen
und aus dem saft heben
jemandem die beine verdrehen
die brillengläser schwärzen
den ellenbogen zwischen die rippen treiben
mit einem leeren sack den kopf einschlagen
die fledermäuse aus dem kopf ziehen
und für eine handvoll dörrpflaumen hergeben
...

6.
Einander verweisende weisen


ging nicht so sind wir noch beieinander

umeinander füreinander
keinen einklang bezeichnend
eine einigung beiderseits: nein
meistens ein weil derweil
einstweilen voreilig eilig
schneidige eide schleimige pleiten
eier keifen schreie keile

bleierne beine weiter treiben
leises heißes eisen bei beiden
seinen ihren wunsch verleiden

feines weinen allein -
weiß keines weiter
...

7.
Hajade

wenn Yoko haj sagt sagt sie ja
wieso das ja sagt sie doch haj
vielleicht weil Hanka haj auch sagt
sagt sie wenn ja in wendisch haj
spricht sie: das haj meint ja und ich

in Tokyo in Sernjany
gilt haj sagt einer ja sogar
wenn Yoko Hanka gar nicht kennt
und Hanka Sernjany nie nennt
so treffen sie sich kaum beim haj
es sei
in Tokyo geht Hanka um im kimono
und stößt frontal auf Yoko die
im atlas Sernjany erspäht
zum flugzeug eilt - und haj

ein hey und jede ist vorbei
...

8.
Im brennglas

I.

das ist krass sagst du - das rote wasser
lässt die hand eintauchen krasna woda
krasna ist wunderbar entgegne ich doch
dies ist einfach nur rot eisenoxid die kehrseite
des wunders dem ich mich ergebe mit dir
der du dich mir hingibst

sprich das nicht aus sagst du am ostermorgen
macht es uns von innen her rein
ich halte das wasser lange in den handflächen
die gedeuteten bedeutungen scheinen auf
funken funkeln im brennglas

II.

diese gegend sieht uns ähnlich:
hier wird niemandes versprechen eingelöst
die flöze eingetauscht gegen bares
verhökert den rest deckt mild das wasser
diese gegend gibt mich nicht auf
da ich mich ihr ausliefere
die freigelegten schichten befrage -
wieso hat man früher unsereins
umarmt zur letzten ruhe gebettet

ich taste mich dir entgegen
am morgen ist deine hand
auf meinem arm ein kumpel
doch gegen abend will mein arm
in deiner hand ankern
am feuer das die wölfe fernhält
...

9.
Findungen

im sich geneigt sein
das in sich geneigt sein

im mitten entzwei sein den kern

im fallenlassen halt
...

10.
Jetzt geht's ans eingemachte!

auf alleen sandhaufen
asche anstelle schneeaufschüttungen
war das mal haussaum? randlagig gebaut
dann gekapert ausgeraubt
lauter machtränke statt efeuranken
kein aufgebot an anheimnahme dafür
halbherziges warmhalten kein augentrost
ein auf und ab: baugrund aufstockung bombastisches
dann worte wie schutzgebiete dann abriss abraum

verfestigungen greifen nicht
wandeln baut auf wandern
wie jede düne auf den wind
jede zeichnung am strand auf die welle
jedes herz auf die materialermüdung
aller aufbau auf die begradigung

das fasst alles
...

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