Nikolaus Franz Niembsch Edler von Strehlenau

(25 August 1802 - 22 August 1850 / Schadat)

An die Ultraliberalen in Deutschland - Poem by Nikolaus Franz Niembsch Edler von Strehlenau

Die Deutsche Muse glüht im Freiheitseifer;
Mit vollen Backen ruft sie zur Verschwörung,
Und bläs't die Gluth wahnwitziger Empörung,
Vom Mund der Göttin sprudelt Zornesgeifer. - - -

- - - (Idee - - Doch nicht vermögt ihr,
jene wohl zu fassen)

Wovon Natur auf jedem ihrer Wege
In jeder Schöpfung sinnigem Gepräge
Euch die symbolisch heilge Spur gelassen.

Was die Geschlechter auf der Erde thaten,
In finstern Zeiten banger Völkerklagen,
In ihren schnell verrauschten Jubeltagen
Mag euch wohl auch was von Idee verrathen.

Gott hat die liebeswarme Brust gelüftet
Dem Wandrer auf den einsam wilden Pfaden
Dem heimathlosen, düsteren Nomaden,
Der Vaterliebe ein Symbol gestiftet.

Hat ein Symbol im Königthum gegeben,
Des Vaterhauses, das uns wird begrüssen,
Mit himmlischsüßer Traulichkeit umschließen,
Wenn ausgelebt, das bange Erdenleben.

Hier ist Idee, und wahrlich eine hohe,
Von Gottes liebsten eine, die in allen
Jahrtausenden und Zonen ihm gefallen,
Hier ist Idee, wohl eine himmlisch frohe!

Mögt ihr an heiliger Symbolik rasen,
Schon wird Natur all ihre Bilderstürmer
Schon wird Natur die tollen Babelthürmer
Wie Muckenvolk sich vom Gesichte blasen.

Zerschlagt die Throne, schmettert sie zu Staube
Beginnet die Nomadenflucht aufs neue,
Und werdet dann entblöst der frommen Scheue,
Dem Winterfrost der Republik zum Raube!

Doch wird sichs, mein ich, schrecklicher gestalten
Die wilden Kräfte, ihren Zaum besiegend,
Nach allen Winden der Begierde fliegend
Ihr könnt sie nicht in Republiken halten.

In einem Traum mit andern finstern Bildern,
Ist mir die Freiheit jüngst vorüber gangen,
Nach der ihr sucht mit schnaubendem Verlangen.
Ich will euch treulich die Erscheinung schildern:

Ein freches Weib, mit wirren Flatterhaaren,
Kam sie durch jauchzend tolle Pöbelmassen
Auf trümmervollen blutgetränkten Straßen
In rasendem Triumpf einhergefahren.

In ihrem Schoose lag mit wildem Schreien
Die junge Brut der schlimmsten Leidenschaften,
Die gierig ihrer Mutter Brüste rafften
Und sogen mit entsetzlichem Gedeihen.

Bald hört ich auch der Freiheit Stimme tönen:
Und also rief die Dame ihren Rittern:
»Laßt ab, der Götterlüge mehr zu zittern,
»Denn jeder Herrschaft sollt ihr euch entwöhnen.

»Pflückt mir das Kreuz von jenem Kirchengiebel
»Ich hasse das andächtige Geplärre,
»Und daß der Glauben das Vergnügen sperre,
»Laßt, Freunde, mit dem Himmel das Geliebel.

»Ihr sollt nicht frömmelnd, hierhin dorthin schweifen,
»Ihr sollt nur mich, nur mich allein verehren,
»Was heilig war in einen Haufen kehren,
»Auf daß wir es mit Strömen Bluts ersäufen.«

Die Furie soll auf Deutschlands Fluren hausen?
Sie sollen ihr die Blüthen, Früchte tragen?
In ihrer Näh die Nachtigallen schlagen,
Und unsre heilgen Eichenhaine brausen?

Nein, nein, die gute fromme Deutsche Erde,
Sie würde nicht den Frevel überleben,
Nein, schaudernd würde sie zusammenbeben,
Versinken mit verzweifelnder Gebärde.


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Poem Submitted: Monday, May 21, 2012

Poem Edited: Monday, May 21, 2012


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