Nikolaus Franz Niembsch Edler von Strehlenau

(25 August 1802 - 22 August 1850 / Schadat)

Auf ein Faß zu öhringen - Poem by Nikolaus Franz Niembsch Edler von Strehlenau

Ich stand, der höchste, grünste Baum,
Vor Zeiten froh im Waldesraum.
Mir galt der Sonne erster Kuß,
Ich brachte, war sie schon geschieden,
Dem Wanderer zum Abendfrieden
Von ihr noch einen Purpurgruß.
Da sah mich einst der Küfer ragen,
Der kam und hat mich schnell erschlagen.
Ade! Ade! du grüner Hain!
Du Sonnenstrahl und Mondenschein!
Du Vogelsang und Wetterklang,
Der freudig mir zur Wurzel drang!
Die Waldeslust ist nun herum,
Ich wandre nach Elysium.
Ihr Bruderbäume, folgt mir nach
In dieses himmlische Gemach;
O nehmt das Los der Auserkornen
Von all den tausend Waldgebornen,
Das schöne Los, das große Los:
Tief in des Grundes kühlem Schoß
Ein Faß zu sein, ein Faß zu sein,
Nicht so ein stillverlaßner Schrein;
Ein Faß, dem lieben Wein ergeben,
Der Erde heilges Herzblut hüllend,
Ein Trunk das ganze lange Leben,
Den Zecher durch und durch erfüllend!
Komm, komm, bewegter Erdengast,
Und halte hier vergnügte Rast.
Mach dir das Herz im Weine flott,
Schenk ein! trink aus! merkst du den Gott?
Braust dir der Geist durchs Innre hin,
Von dem ich selber trunken bin?
Er ist so feurig, süß und stark:
O schlürf ihn ein ins tiefste Mark! -
Nun Wandrer, wandte selig heiter
Von Faß zu Faß forttrinkend weiter!
Schon tauchen dir im Rosenlichte
Herauf gar liebliche Gesichte:
Manch teures längst verlornes Gut,
Die Träum aus deinen Jugendjahren,
Sie kommen dir auf Weinesflut
Jetzt frisch und froh herangefahren.
Schenk ein! - du fühlst die alten Triebe
Zu kühner Tat hinaus! hinaus!
Du gibst den Kuß der ersten Liebe;
Schenk ein! du stehst im Vaterhaus.
Wohl dir! wohl dir! schon bist du trunken,
Und Gram und Sorgen all versunken;
Wir schützen dich, hier packt dich nicht
Ihr freches, quälendes Gezücht,
Wir stehen Faß an Faß zusammen,
Wir lassen unsre Waffen flammen;
Und heimlich hinter unsern Bäuchen
Muß dir die Zeit vorüberschleichen.
Schenk ein, schenk ein, nur immer zu!
Und hat der Gott dich ganz durchflossen,
Laß tragen dich von flinken Rossen
Nach dem Hesperien Friedrichsruh.
Dort schwanke unter grünen Bäumen
Mit deiner Last von Himmelsträumen,
Und lausche dort den Harmonien,
Die durch den Zaubergarten fliehen.
Ein voller stürmischer Akkord
Nimmt dich an seinen Geisterbord,
Irrt weit mit dir von hinnen, weit,
Hinaus ins Meer der Trunkenheit!


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Poem Submitted: Monday, May 21, 2012

Poem Edited: Monday, May 21, 2012


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