Nikolaus Franz Niembsch Edler von Strehlenau

(25 August 1802 - 22 August 1850 / Schadat)

Der nächtliche Gang - Poem by Nikolaus Franz Niembsch Edler von Strehlenau

Tiefe Nacht; - der stille Vollmond
Hebt sich jenseits von den Auen,
Und die Wellen der Durance
Sind ein Silberstrom zu schauen.

Flüchtig eilen sie vorüber
An den mondbeglänzten Riffen,
Und von rätselhafter Wehmut
Fühlt der Wandrer sich ergriffen;

Denn er hört im ruhelosen,
Immergleichen Wellenschlage
Ewig an die Sterne tönen
Seines Herzens bange Frage;

Ein Verrauschen, ein Verschwinden
Alles Leben! - doch von wannen? -
Doch wohin? - die Sterne schweigen,
Und die Welle rauscht von dannen.

Cisteron, das Städtchen, schlummert,
Nur im Schlosse lassen Worte
Dumpf und eilig sich vernehmen,
Und es dröhnt die Eisenpforte.

Männer steigen still und langsam
Dort hinauf zum Felsenhause:
Waffenknechte sind es, führen
Den Gefangnen in die Klause.

Johann Kasimir von Polen!
Heiß durchrollt von Königsblute,
Edler Sproß vom Stamme Wasa,
Ach, wie mag dir sein zumute l

Heldenjüngling, der du kämpftest
Ruhmbekränzt in manchen Schlachten
In verräterischer Fremde
Mußt du als Gefangner schmachtenl

Spricht man so im feinen Frankreich
Hohn des Gastes heilgem Rechte,
Daß den freundgesinnten Fürsten
Zwingen die Tyrannenknechte?!

In des Mondes hellem Scheine
Glänzen ihre Mordgewehre;
Aber nicht des Polenfürsten
Stolz und schnell verwischte Zähre.

Auf dem steilen Stufenpfade,
Eingehauen dem Granite,
Heben sich in scheuer Windung
Nach dem Gipfel ihre Schritte.

Wagt es wer, im schwanken Mondlicht
Da den Pfad hinaufzuwallen,
Bebend sieht er seinen Schatten
In den grausen Abgrund fallen.

Sinnend bleibt Johannes stehen,
Und er hört im Niederlauschen
Immer leiser dort die Schluchten,
Leiser die Durance rauschen.

Horch! ein Lüftchen aus den Auen,
Wo die Nachtigallen singen,
Kommt dem Armen nachgeflogen,
Ihm noch einen Laut zu bringen.

Weither kam das gute Lüftchen,
Wie ein Kind, das frohbehende
Einem Bettler, wenn er scheidet,
Nacheilt mit der milden Spende.

Und sie klimmen immer höher,
Nur noch ihre Tritte schallen;
Still ist nun der Wasser Rauschen,
Still das Lied der Nachtigallen.

Todesruhe deckt die Höhen,
Die verlaßnen Felsenklippen;
Kein Gesträuch und keine Blume
Auf des Abgrunds bleichen Lippen.


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Poem Submitted: Monday, May 21, 2012



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