Nikolaus Franz Niembsch Edler von Strehlenau

(25 August 1802 - 22 August 1850 / Schadat)

Die Rose der Erinnerung - Poem by Nikolaus Franz Niembsch Edler von Strehlenau

Als treulos ich das teure Land verließ,
Wo mir, wie nirgend sonst, die Freude blühte,
Mich selbst verstoßend aus dem Paradies
Voll Freundesliebe, holder Frauengüte;

Und als ich stand zum ernsten Scheidegruß
An meiner Freuden maiengrünem Saume,
Als mir im Auge quoll der Tränenguß
Wie warmer Regen nach dem Frühlingstraume:

Da bog sich mir zum Lebewohl herab
Der reichsten einer von den Blütenzweigen,
Der freundlich mir noch eine Rose gab;
Mein Herz verstand sein liebevolles Schweigen.

›Nicht in den Staub, o Freund, hier weine hin,
Hier auf die weichen Blätter dieser Rose!‹
Das war der stummen Gabe milder Sinn;
Und schmerzlich rasch folgt ich dem Wanderlose.

In fremde Welten fuhr mich der Pilot,
Vom teuren Lande trennen mich nun Meere;
Und wie mir einst das Lebewohl gebot,
Netz ich die Blume mit getreuer Zähre.

Der Rose inniglicher Duft entschwand,
Es ging die frische Farbenglut verbleichen;
Sie ruht so blaß und starr in meiner Hand,
Des Unverwelklichen ein welkes Zeichen.

Des Unverwelklichen? - sie rauscht so bang,
Will meine Hand die Rose wieder wecken;
Als wär es ein prophetisch trüber Klang,
Hör ich den Laut mit heimlichem Erschrecken.

O Rose der Erinnerung geweiht!
Mir dünket deiner welken Blätter Rauschen
Ein leises Schreiten der Vergänglichkeit,
Hörbar geworden plötzlich meinem Lauschen!

Listen to this poem:

Comments about Die Rose der Erinnerung by Nikolaus Franz Niembsch Edler von Strehlenau

There is no comment submitted by members..



Read this poem in other languages

This poem has not been translated into any other language yet.

I would like to translate this poem »

word flags

What do you think this poem is about?



Poem Submitted: Tuesday, May 22, 2012



[Report Error]