Nikolaus Franz Niembsch Edler von Strehlenau

(25 August 1802 - 22 August 1850 / Schadat)

Faust. Der Mord. - Poem by Nikolaus Franz Niembsch Edler von Strehlenau



(Das Bild betrachtend)

Wie dieses sanfte, schöne Bild
Auf wildem Meeresgrunde ruht,
So ruht es ewig, klar und mild,
Auf meines Herzens wilder Flut.

Prinzessin
Es mag dem Künstler widerfahren,
Hat er ein Bild mit Fleiß vollbracht,
Daß ein Erinnern oft nach Jahren
An dessen Züge ihm erwacht.

Zofe
Das, gnädige Gebieterin,
Bleibt Eurem Maler als Gewinn,
Der Eure Schönheit Zug für Zug
So wahr lebendig übertrug,
Daß sich das Bild ihm ungebeten
Im Angedenken wird verspäten.

Faust
Hell flammt in diesem Augenblick
Mir auf mein ganzes Mißgeschick.
Was ich bis jetzo nicht gekannt,
Hat mich allmächtig übermannt.
O lächelt, holde Königstochter,
Herab voll Mitleid auf mein Weh,
Der ich vor Euch, ein Unterjochter,
In meiner bittern Armut steh;
Wenn Ihr mein glühend Herz verstoßt,
Bleibt mir auch nicht der karge Trost,
Daß ich mit einem stolzen Leide
Von Eurem lieben Antlitz scheide,
Daß ich auf meinem Trauerwege
Euch doch ein Opfer noch geweiht,
Entsagend, meine Seligkeit
Auf Eure Schwelle niederlege.
Hab keine zu verlieren mehr,
Das drückt das Herz mir doppelt schwer.
Doch, blick ich wieder Euch ins Angesicht,
So hat die Hölle, der ich zugeschworen,
Mit einmal ihre Macht an mir verloren,
Mir strahlt ein wunderbares Hoffnungslicht.
O nein! ich kann, ich will Euch nicht entsagen,
Ich will's noch einmal mit dem Himmel wagen!

Prinzessin
Verlasset mich, unheimlich bang
Wird mir vor Eurem ungestümen Drang,
Kann Eure dunklen Worte nicht verstehen;
Doch ruht auf Eurer Stirne tiefes Trauern,
Das mich bewegt zu innigem Bedauern,
Lebt wohl! ich will Euch nimmer wieder sehen.

Faust (auf die Knie fallend)
Ach, nur ein leises Wort, ein Hauch, ein Blick,
- Und wär' es nur ein mitleidsvoller Trug, -
Daß du mich liebst, es ist genug, genug,
Auf immer zu verwandeln mein Geschick.
Mag dann der Hölle tiefes Qualenmeer
Mit seinen Wogen rauschen um mich her,
Ich werde nicht darin zugrunde gehn,
Mir wird aus deinem holden Liebeszeichen
Ein ewig grünes Eiland auferstehn,
Verzweifelnd muß die Hölle rückwärts weichen;
Vergebens werden dann Erinnerungen
Aus meinen wüsten, schuldgetrübten Tagen
Ans heilige Ufer meiner Liebe schlagen,
Ich bin gerettet, hab ich dich errungen!

Herzog Hubert (hereinstürzend)
Erstick in deinem frechen Übermut!
Verdirb, verdirb, schamloses Sklavenblut!
Nach einer Königstochter, Fürstenbraut
Hast du den Blick zu heben dich getraut?
Streckst du, ein unerhört verwegner Buhle,
Die Arme auf aus deinem Pöbelpfuhle?

(Zur Prinzessin)

Laß ich ihn auch zu deinen Füßen sterben,
Du bist beschimpfet durch sein schnöd Bewerben.
Der Seufzer, den nach dir gesandt sein Lieben,
Ist gift'ger Hauch vom Sumpf emporgetrieben;
Sein Blick, der frech nach deinen Reizen schmachtet,
Ein Irrwisch faul, der zu den Sternen trachtet.
Es ist dein Bild besudelt und entehrt,
Das er in seinem tollen Hirne nährt,
Das ihm vielleicht im Traum Erhörung lacht,
Mit ihm sich wälzt auf seinem Bett bei Nacht!
Könnt' ich in ihm erwürgen, süße Braut,
Dein Bild, eh' ihn mein Schwert in Stücke haut!
Doch nein! mein Fürstenschwert sei nicht verdammt
An diesem Knecht zu niederm Schergenamt. -

Faust steht dem Prinzen gegenüber, schweigt,
Sein Blut aufkochend zu Gesichte steigt,
Empöret von der Lästrung Sturmeshauch;
Aus seinen schwarzen Stirnenlocken droht
Die hochgeschwellte Zornesader Tod,
Wie eine Schlange droht aus dunklem Strauch.
Er schüttelt wild und stolz sein zürnend Haupt,
Er knirscht die Zähne und sein Odem schnaubt,
Die Augen glühn im heißen Rachedürsten
Erstarrte Blitze auf den stolzen Fürsten:
Er zückt sein Schwert zum ungeheuren Streiche,
Und - nimmer lästert ihn des Fürsten Leiche.
Maria starr und bleich zu Boden liegt,
Vor Schreck sind Puls und Odem ihr versiegt.
Die Zofe ist entflohn; - des Prinzen Glut
Hat sich nun abgelöscht in seinem Blut. -
Wie ist es nun so still mit einem Mal,
Wo erst der Zorn gebraust, im weiten Saal!
Faust steht und starrt die Leiche finster an,
Und draußen steigt des Sturmes laute Wut,
Es rauscht der Wald, es knarrt der Wetterhahn,
Und an die Klippen stürzt die Meeresflut;
Vorbei am Fenster schießen mit Geschrille
Die Möwen, und die Donner schlagen ein:
Doch mag, o Faust, das Schrecklichste dir sein
Der Tote da, mit seiner tiefen Stille.

Mephistopheles (plötzlich hinter Faust stehend)
Mir ist, dich hört' ich einst im Walde sagen:
»Ich habe diese Liebe nie gekannt,
Fürs Erdenweib war nie mein Herz entbrannt«;
Hier aber hast du einen drum erschlagen.
Du bist doch deshalb treulos nicht geworden
Der »Liebe für die Wahrheit, die dein Schmerz«?
Und wärst du's auch, und hätt' ein bißchen Morden
Schon für die Wahrheit abgekühlt dein Herz;
Sie gibt darum dich nimmer doch verloren;
Dein Sehnen hat sie nicht umsonst beschworen;
Und wolltest du nun aus dem Weg ihr eilen,
Sie stellt dir nach, darauf sei nun gefaßt.
Verschmähte alte Liebschaft wird zuweilen
Zudringlich, lieber Freund, und sehr zur Last.
Die Wahrheit steht an dieser Leich' und schaut
Ins Antlitz dir: sei Mann und nicht erbebe,
Kühn ihren blutbesprengten Schleier hebe,
Und ihre leise Lippe dir vertraut,
Daß, wer ein Bündnis mit der Hölle schlingt,
Den Menschen Fluch mit seiner Liebe bringt.

Faust
Marien hab ich leider! Fluch gebracht.
O wenn sie doch ins Leben nur erwacht!

Mephistopheles
Das findet sich; doch möcht' ich eben
Nicht Zeuge sein, wenn sie erwacht ins Leben.
Hier ist's langweilig, Freund, komm fort,
Eh' da im Blut dein heller Mut verrostet.
Was dir an Freuden hegte dieser Ort,
Das hast du, mein ich, ziemlich ausgekostet.

Faust
Komm fort, komm fort, Maria muß mich hassen;
Doch kann ich nicht zurück ihr Bildnis lassen.

(Die Diener des Hauses pochen an die von Mephistopheles verschlossene Tür)

Mephistopheles
Das Bildnis kriegst du nimmermehr, fürwahr!
Ich reiße lieber ein Marienbild,
Zehnfach geweiht, und wundergnadenmild,
Dir eigenhändig wo vom Hochaltar,
Eh' ich gedulden mag die Raserei,
Daß du dich schleppst mit diesem Konterfei.

Faust
Steh ich vor dir, dein Werk, ein Mörder auch,
Und neigt sich's tief mit mir bereits; doch spricht
Noch meines guten Geistes Sterbehauch:
Bewahre dir dies Himmelsangesicht!

Und Faust ergreift das Bild mit heißer Hast,
Der Teufel hat's am andern End' gefaßt;
Sie ringen mit dem Bilde hin und her,
Laut zankend, bis der Teufel es erzwingt
Und es mit wildem Hohngelächter schwingt
Hinaus zum Fenster und hinab ins Meer. -
Die Diener an die Tür stets lauter pochen,
Und stürmend kommen sie hereingebrochen.
Entsetzenstarr die Königswach' erschaut
Den Fürsten hingestreckt und seine Braut.
Sie dringen auf die Fremden, sie zu fassen:
Die trotzen, unerschütterlich gelassen,
Den vorgedrohten Hellebardenspitzen;
Der Böse läßt nur einen Augenblick
Die Höll' in seine dunklen Züge blitzen,
Und die Trabanten stürzen bleich zurück.
Nun schauen sie, verblüfft und überwunden,
Den Fremden nach, die schnell waldein geschwunden.

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Poem Submitted: Tuesday, May 22, 2012

Poem Edited: Tuesday, May 22, 2012


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