Nikolaus Franz Niembsch Edler von Strehlenau

(25 August 1802 - 22 August 1850 / Schadat)

Faust. Der See - Poem by Nikolaus Franz Niembsch Edler von Strehlenau

An Klostermauern, alten, einsam düstern,
Ist weit ein stiller See hinausgegossen;
Am Saume Bins' und Weide heimlich flüstern,
Und sanftgewiegte Wasserblumen sprossen.
Hell scheint der Mond, es spielen, leisen Bebens,
Die Strahlen lieblich auf dem tiefen See,
Wie über den Geheimnissen des Lebens,
Und seiner Tiefe ungeahntem Weh,
Die Kinderseelen lieblich zitternd spielen,
Die rein und klar vom Himmel niederfielen.
Am Ufer wandelt Faust und sein Gefährte,
Der heute unvermerkt den Abendgang
Zu diesem See, zu diesem Kloster kehrte.
Nun stehn sie still und beide schweigen lang.
Versenkt ist auch die Nacht in ernstes Schweigen,
Man hört es, wenn im Klostergarten sacht
Ein frühgewelktes Blatt entfällt den Zweigen,
Wenn auf dem See ein Lüftchen halb erwacht.
Seltsame Töne aus dem Schilfe dringen,
Und manchesmal das Schweigen unterbrechen;
Die Vögel dort von Wanderzügen sprechen
Im Traum und regen sehnsuchtsvoll die Schwingen.
Zum See hinstarrend, hat sich Faust verloren
In stummes Trauern, daß er ward geboren.

Mephistopheles
Blick auf die Mauern dort, sind Altbekannte;
Vor ihnen ist dein schmachtend Lied erklungen,
Woran die schöne Nonne heiß entbrannte,
Sie hast du damals feurig übersprungen.
Dort ragt der Baum, wo ihr so wonnig saßet
Und euch in süßer Trunkenheit vergaßet,
Der Baum, der eure Küsse überrauschte,
Wenn euch ein Ohr in jener Nacht belauschte.
Blick auf den Mond, es ist derselbe noch,
Er stand, wie jetzt, genau so voll, so hoch;
Nur daß er damals eurem Glutverlangen,
Und heute eurem Kummer aufgegangen.
Der Mond, der deinem Auge strahlt so helle,
Dringt auch der Nonne mahnend in die Zelle.

Faust
Wirst mir zuwider und verhaßt;
Du wirst mir immer mehr zur Last.

Mephistopheles
Verhaßt? das kümmert mich mitnichten,
Du kannst es ohne mich nicht richten;
Bin doch für dich von großem Reize,
Denn deine kranke Seele braucht,
Daß nicht ein Seufzer sie verhaucht,
Zur Stärkung meine scharfe Beize.

So sprach der böse Führer; plötzlich sprang
Er in den See hinab, der ihn verschlang;
Nach kurzer Weile taucht' er jetzt empor,
Und was er hat heraufgeholt vom Grund,
Streckt seine Hand den Blicken Faustens vor:
»Das ist aus jenen Zeiten noch ein Fund!«
Da schimmern schreckhaft hell im Mondenscheine
Von einem Kind die nassen Totenbeine.

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Poem Submitted: Tuesday, May 22, 2012



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