Thursday, September 20, 2018

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Duftige Morgenfrühe, du überraschtest uns, als wir umdüstert allein
fortgingen für immer.
Ich, auf dem schmutzigen Transporter, und das kostbare Bündel in
meinem Arm.
Stumm starrte ich auf die Gewehre die über den Schultern hingen
Guerillakämpfer begleiteten uns bei unserm Abschied.
Und alles bedeckte der Sand.
Zwischen den rutschigen Dünen vereinzelte Hütten.
Die Kinder kamen schreiend gelaufen und die Frauen hoben den Arm.
Warte.
Dies ist der letzte Gruß.
Noch steht ihnen die Angst nicht ins Gesicht geschrieben.
Spüren kann ich sie schon.
Jetzt merke ich, meine Lippen sind salzig.
Doch der Himmel ist klar, durchsichtig, blau.
Ich fliehe vor dem Tod und ich bringe ihn mit.
Wären nur nicht die Kinder in ihrer Fröhlichkeit.
In der Ferne zeigt sich der Ozean.
Und sichtbar wird, rostig und schwer, ein dumpfes Kriegsschiff.
Ein Guerillero schwenkt seinen roten Umhang, ein anderer greift sich
zwei Zipfel.
Auf und ab im Wind wie ein Fisch in den Wellen wogt der rote Umhang.
Und von dem dumpfen Kriegsschiff erhebt sich eine Libelle aus Stahl.
Mein Vater sagt: 'Der Helikopter ist gleich da, lauf zu.'
Doch meine Beine bewegen sich mühsam.
Vor wenigen Stunden erst ist ein zart pulsierendes Wesen
aus meinem Bauch geschlüpft.
Und das kostbare Bündel drücke ich jetzt an die Brust.
Die Libelle steigt auf. Mein Vater macht heftig Zeichen.
Doch seine Stimme höre ich nicht. Und ich wende mich ab.
Ich sehe den Guerillero mit dem roten Umhang.
Er ist sehr jung, wie ich. Achtzehn Jahre vielleicht.
Sein Körper ist verborgen unter dem roten Umhang.
Er lächelt.
'Jetzt kommt er zurück und holt auch dich', sagt er zu mir.
'Und du, kommst du nicht mit?'
Sein Kopf wogt hin und her. Wie der rote Umhang.
Über der Schulter hängen hat er ein Gewehr.
Aber sein Lächeln ist offen, unschuldig, ehrlich.
In der Libelle, von stählernen Wänden umgeben,
schaue ich noch einmal hinaus.
Und sehe einen langen Kordon von Kämpfern rings um die Bucht.
Mittendrin ein roter Umhang.
Der auf und ab wogt, sich windet, sich entfaltet.

Übersetzung von Sigrid Vagt
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Cristina Ali Farah
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