lebensbäume in brautstrümpfe
schickte dreizehnjährige weihnachtssängerinnen
mit schlüssel zepter und erlöserpuppe
von ort zu ort
dann sah er bulldozer kommen
sah wie sie die orte zusammenschoben
und wegkarrten schließlich
wurde des teufels geschenk ausgegraben
schwarz die landschaft wurde schwarz
grube reihte sich an grube später restloch
an restloch jedes heißt see
für jeden ort wurde ein stein aufgestellt
auf der planen fläche die sich ums grün müht
immer noch sang er die lieder der weihnacht
in seiner sprache im traum sah er die mädchen
gänzlich verhüllt in gestickten schleifen jedes
nannte sich DAS KIND und ging zu den kindern
des ortes diese zu streicheln die erwachsenen
mit der rute zu streifen damit sie erkennen
was sie da tun
danach war der tag einen hühnerschritt länger
als er ging zog er das jahr nach
die mädchen zogen von hier nach dort
zu pfingsten hatten sie die sprache gewechselt
verloren schlüssel zepter und erlöserpuppe
später kamen sie manchmal auf den pfaden
zum see sahen elch und esel dort äsen
in solarbetriebenen katamaranen fuhren sie
von see zu see als ob sie was suchten
doch die weihnacht behielt das geheimnis
der sängerinnen die art die kinder zu streicheln
behielt das bild der orte den pfad zum schäfer
der lebensbäume in brautstrümpfe strickte
für den nächsten tag einen hühnerschritt länger
...
lebensbäume in brautstrümpfe
schickte dreizehnjährige weihnachtssängerinnen
mit schlüssel zepter und erlöserpuppe
von ort zu ort
dann sah er bulldozer kommen
sah wie sie die orte zusammenschoben
und wegkarrten schließlich
wurde des teufels geschenk ausgegraben
schwarz die landschaft wurde schwarz
grube reihte sich an grube später restloch
an restloch jedes heißt see
für jeden ort wurde ein stein aufgestellt
auf der planen fläche die sich ums grün müht
immer noch sang er die lieder der weihnacht
in seiner sprache im traum sah er die mädchen
gänzlich verhüllt in gestickten schleifen jedes
nannte sich DAS KIND und ging zu den kindern
des ortes diese zu streicheln die erwachsenen
mit der rute zu streifen damit sie erkennen
was sie da tun
danach war der tag einen hühnerschritt länger
als er ging zog er das jahr nach
die mädchen zogen von hier nach dort
zu pfingsten hatten sie die sprache gewechselt
verloren schlüssel zepter und erlöserpuppe
später kamen sie manchmal auf den pfaden
zum see sahen elch und esel dort äsen
in solarbetriebenen katamaranen fuhren sie
von see zu see als ob sie was suchten
doch die weihnacht behielt das geheimnis
der sängerinnen die art die kinder zu streicheln
behielt das bild der orte den pfad zum schäfer
der lebensbäume in brautstrümpfe strickte
für den nächsten tag einen hühnerschritt länger
...
durch fügung besamt wuchs aus eiern
und sperma leben entwickelten sich fische
angriffsbereit mit perfekter tarnung
im hechtteich der unersättlichste
setzte sich durch fraß jeden der nicht aufpasste
ein standfisch imposant zunehmend bewundert
es gesellten sich zu ihm spiegelkarpfen plötzen
flundern wollten kuppeln kopulieren kupfern
er umkreiste sie elegant besah sie -
und schnappte zu sein körper wurde voller
sein aktionsgebiet spannte sich über weite teile
des erdballs die schwächeren hatte er nach
und nach erledigt er war der beste der schnellste
der schönste der aufsteiger der einzig heutige
ein zurückzucken hatte er nicht gelernt
die fische nahmen ab einige arten
waren bald gänzlich gefressen er reihte
teich an meer an ozean durch kluge manöver
bis schließlich jedes gewässer sein war
und kein anderer fisch mehr neben ihm
da wurde er variabel fraß nun wasservögel
frösche und kleinsäuger alles was nicht
bei drei auf dem baum war
über opfer redete keiner mehr
der einzelgänger besah sich im spiegel
des wassers glänzten seine schuppen
golden
...
er saß hinter dem fenster mit blick zur straße sah
die autos vorbeifahren die leute eilen oder schlendern
jene die er schon als kinder gesehen hatte
sah er mit dem gleichen ausdruck an als sie erwachsen
waren sie sahen ihn nicht altern aufstehen vors haus
treten das war ihm nicht wichtig er wusste sie alle
zuzuordnen kannte auch die hunde die mit den jahren
wechselten die partnergestalten der nachbarn
die sichtbare krankheit jedes einzelnen so hatte
auch schon sein vater die dinge ausgesessen
und gesehen auf dem überdimensionalen bildschirm
in dem die jahreszeiten die bäume zurichteten
und die dächer bestäubten schnee hagel
er war immer mitten in der jahreszeit am meisten
mochte er den spätherbst das pfeifen in der esse
wenn jemand ins fenster sah und ihn grüßte
schrak er zurück er unterhielt sich oft und gern
mit den gegebenheiten erzählte geschichten
hielt reden und hatte antworten auf alles
was er je gesehen hatte
...
jemanden wissen der fledermäuse hat
ihm speck auf die butter träufeln
eine henne für ein ei geben
und mit zungenhonig einseifen
jemandem schwarzes weismachen
die federchen ausreißen
den nagelwuchs beschneiden
wermut in den likör gießen
mit einer feder unter die nase fahren
und mit einem halm die galle
aus dem herzen saugen
jemanden am seidenen zügel führen
nach dem fest zum mahl bitten
unter die bank stoßen
mit der gabel kitzeln
in den schwitzkasten nehmen
und aus dem saft heben
jemandem die beine verdrehen
die brillengläser schwärzen
den ellenbogen zwischen die rippen treiben
mit einem leeren sack den kopf einschlagen
die fledermäuse aus dem kopf ziehen
und für eine handvoll dörrpflaumen hergeben
...
ging nicht so sind wir noch beieinander
umeinander füreinander
keinen einklang bezeichnend
eine einigung beiderseits: nein
meistens ein weil derweil
einstweilen voreilig eilig
schneidige eide schleimige pleiten
eier keifen schreie keile
bleierne beine weiter treiben
leises heißes eisen bei beiden
seinen ihren wunsch verleiden
feines weinen allein -
weiß keines weiter
...
wenn Yoko haj sagt sagt sie ja
wieso das ja sagt sie doch haj
vielleicht weil Hanka haj auch sagt
sagt sie wenn ja in wendisch haj
spricht sie: das haj meint ja und ich
in Tokyo in Sernjany
gilt haj sagt einer ja sogar
wenn Yoko Hanka gar nicht kennt
und Hanka Sernjany nie nennt
so treffen sie sich kaum beim haj
es sei
in Tokyo geht Hanka um im kimono
und stößt frontal auf Yoko die
im atlas Sernjany erspäht
zum flugzeug eilt - und haj
ein hey und jede ist vorbei
...
I.
das ist krass sagst du - das rote wasser
lässt die hand eintauchen krasna woda
krasna ist wunderbar entgegne ich doch
dies ist einfach nur rot eisenoxid die kehrseite
des wunders dem ich mich ergebe mit dir
der du dich mir hingibst
sprich das nicht aus sagst du am ostermorgen
macht es uns von innen her rein
ich halte das wasser lange in den handflächen
die gedeuteten bedeutungen scheinen auf
funken funkeln im brennglas
II.
diese gegend sieht uns ähnlich:
hier wird niemandes versprechen eingelöst
die flöze eingetauscht gegen bares
verhökert den rest deckt mild das wasser
diese gegend gibt mich nicht auf
da ich mich ihr ausliefere
die freigelegten schichten befrage -
wieso hat man früher unsereins
umarmt zur letzten ruhe gebettet
ich taste mich dir entgegen
am morgen ist deine hand
auf meinem arm ein kumpel
doch gegen abend will mein arm
in deiner hand ankern
am feuer das die wölfe fernhält
...
im sich geneigt sein
das in sich geneigt sein
im mitten entzwei sein den kern
im fallenlassen halt
...
auf alleen sandhaufen
asche anstelle schneeaufschüttungen
war das mal haussaum? randlagig gebaut
dann gekapert ausgeraubt
lauter machtränke statt efeuranken
kein aufgebot an anheimnahme dafür
halbherziges warmhalten kein augentrost
ein auf und ab: baugrund aufstockung bombastisches
dann worte wie schutzgebiete dann abriss abraum
verfestigungen greifen nicht
wandeln baut auf wandern
wie jede düne auf den wind
jede zeichnung am strand auf die welle
jedes herz auf die materialermüdung
aller aufbau auf die begradigung
das fasst alles
...
für Dieter Zimmermann
der ziegenbock tanzt auf dem eise
die schlange beißt sich in den rachen
die alten frauen gehn mit lachen
beim puppenstechen bricht die nadel
das letzte ufo setzt auf paddel
der treibstoff treibt noch keine preise
die grüne wasserfrau im fluss
hat sich dem weißen tuch ergeben
und nicht dem mann der folgen muss
weil sie am saum noch samen trägt
der banker setzt den letzten heller
der zins sitzt fest im lagerkeller
die schießscharten sind frisch gewetzt
wer kann sich an den pol absetzt
der säbelzahn die weltbank sägt
die fliegenpilze sind nicht krank
das wildschwein leuchtet gottseidank
ich ziehe blank im grübelzwang
...
es ist leicht am strand dieses gemachten sees
zu schlendern und sich zu sagen: alles ist gut
das wellenspiel verwischt dies nicht: die dörfer
unter wasser sind in deinem kopf beredt
der rundanger die mühlsteine baumstümpfe
liedfetzen wortstämme die art wie gesprochen wurde
hier also war etwas kenntliches ein erkennen
bewegter bilder der vorfahren ihrer physiognomie
der fluren die gründlich getilgt sind - was nützt es
sich zu sagen: ich spiegele meine gesichtszüge
im wasser und das weggehobelte verdränge ich
zu erkennen sind konturen eines menschen
der seine historie getilgt hat die züge
eines besitzlosen ohne hungerleid darbend
nach der landschaft des ich haltlos
beim versuch akzente in weite gegenden zu setzen
unstet ohne diese geflutete quelle - was nützt es
sich zu sagen: ich war es nicht ich wollte das nicht
...
sym z něhdyšich wjeskow přišła
rěč sym přinjesła sobu
nichó nochcyše ju rozumić
su ju zamjelčeli
su so přez nju smjeli mi rjekli
njech ći w šiji tčacy wostanje
mi barbili: dawa lěpšich rěčow
to wothrymzach słowa hač na póčku
póčki sym wuplunyła a přihladowała
kak so po hórce kulachu
po puću kopolachu
wumjeć puć mi kazachu
to zezběrach póčki składźech je
do tyzki wodźěch je z wěčkom
wěčko přilěpich k tyzce
ručež ju třasu to słyšu:
nošu klepotace w tyzce
...
we wokomikach hdyž swěčka hašuje
so dych staji kóždy raz miknjenčko dlěje
rozpłunje zawostate wono do mozow błysknje:
tři horstki pěska dwě sylzy a zdychnjenčko
što bě lubosć što bě běda po ruskej bajce
wšojedne štož traje je něšto rozpjate
mjez do-žiwjenjemi prěkušk
we wujězdźenej šćežce kamušk přirodnosć
we wotběhu pohibow a tola
wudyri młodźina w tychle wokomikach
a brězyna započnje rejować
...
a z łoža piwčatoh´ pod žarom słónca
so snowach: pikikowar cuza kreatura
a pišćelak mi točić poča kožu
zo mustry drjebjachu so sajo z mozow
do pěska mižolichu blěde šćežki
hač bě to rěz? hač bě to humus? juška
so wužórli a do hrjebički łuža
w njej pluskaše a zatepi so wokač
a wokeńcy so sćahnychu před wočko
te brune brune hladaše w totalnej
na hroch kiž z bajki sypnyła bě ruka:
nět wuběraj hdyž ze sona chceš ćeknyć -
to přilećałoj hołbikaj stej běłej
tuž wołach dobre do horleška wzmitej
a skažene do běrtlka tu kładźtej
to njebě po bajce tuž chcyštej hinak
po zwučnym mustrje dypkowaštej kulki
to ćeknych hač do časa zezad časa
...
Tik ma susod Wobuza,
z woknow kit wón wuliza.
Hdyž nimaš dom ani štom, nórt tola daš.
A wosnje maš doma trón. Štom wobjimaš.
Runjež koło teptaj, kruž.
Žurk je wustojniši muž!
Dam ći bul, započnješ do njeho kopać.
Tón da sej to lubić, byrnjež chcył će šćipać.
Walčkow wal će nješkita,
hdyž so law do tebje da.
Jednu wón naswari: z wočow mi dźi.
Tamnej wón lišći so, do wočow łži.
...
Der schäfer strickte
lebensbäume in brautstrümpfe
schickte dreizehnjährige weihnachtssängerinnen
mit schlüssel zepter und erlöserpuppe
von ort zu ort
dann sah er bulldozer kommen
sah wie sie die orte zusammenschoben
und wegkarrten schließlich
wurde des teufels geschenk ausgegraben
schwarz die landschaft wurde schwarz
grube reihte sich an grube später restloch
an restloch jedes heißt see
für jeden ort wurde ein stein aufgestellt
auf der planen fläche die sich ums grün müht
immer noch sang er die lieder der weihnacht
in seiner sprache im traum sah er die mädchen
gänzlich verhüllt in gestickten schleifen jedes
nannte sich DAS KIND und ging zu den kindern
des ortes diese zu streicheln die erwachsenen
mit der rute zu streifen damit sie erkennen
was sie da tun
danach war der tag einen hühnerschritt länger
als er ging zog er das jahr nach
die mädchen zogen von hier nach dort
zu pfingsten hatten sie die sprache gewechselt
verloren schlüssel zepter und erlöserpuppe
später kamen sie manchmal auf den pfaden
zum see sahen elch und esel dort äsen
in solarbetriebenen katamaranen fuhren sie
von see zu see als ob sie was suchten
doch die weihnacht behielt das geheimnis
der sängerinnen die art die kinder zu streicheln
behielt das bild der orte den pfad zum schäfer
der lebensbäume in brautstrümpfe strickte
für den nächsten tag einen hühnerschritt länger
She worked from 1968 to 1972 in the editorial board of the Serbian children's and youth magazine Płomjo and the daily newspaper Nowa doba. Since 1970 she has published poetry in the Serbian press. From 1979 she studied engineering economics of mining and was active until 1984 as a typist and materials economist in Knappenrode. From 1985 to 1989 she studied at the Leipzig Literature Institute " Johannes R. Becher" . Since 1990 she is a freelance writer.
Róža Domašcyna (born August 11,1951 in Zerna, Kamenz district) is a Serbian poet and translator. She is a member of the PEN Center Germany and the Saxon Academy of Arts.