Das Tier Nacht Poem by Sukirtharani

Das Tier Nacht

So wie die Traurigkeit sich auf ein junges Mädchen legt,
so senkte sich die Dunkelheit herab.

Ich saß allein,
bei verriegelter Tür,
im gelben Schein der Kerzen.

Genau um diese Zeit erschien, ohne
eingeladen zu sein, ihr täglicher Besuch.

Ich sah mir dabei zu,
wie ich mich häutete,
und ein anderes Ich herausbrach aus mir.

Während das alte Ich aus dem Staunen nicht herauskam,
hatte das neue Ich das geheime Buch der Intimitäten
bereits zu Ende gelesen.

Die Strahlen meiner Augen
richteten sich auf die kleinen, nackten Stellen
dessen, der im Vorzimmer schlief.

Das Weinglas lief über,
mein Körper begann, sich zu rühren.

Ganz leise murmelte ich
die allerobszönsten Wörter
und ging darin auf, mich zu befriedigen,

als draußen ein Vogel zu singen begann.
Das Tier Nacht lief davon
und ließ mich mit mir selbst allein.

Ins Deutsche übertragen von Ulf Stolterfoht

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