DEM RAUSCHEN DES DUERO Poem by Claudio Rodríguez

DEM RAUSCHEN DES DUERO

Und da ich sah,
daß ich so beliebt zwischen den Straßen war,
passierte ich die Brücke und ließ, Lebwohl, alles hinter mir.
Doch bis hierher erreicht es mich, nehmt es fort von mir, immerzu
höre ich dieses Rauschen, und ich steige weiter und weiter hinauf,
gehe von Dorf zu Dorf, richte das Ohr
auf den Flug des Sperlings, die Sonne, die Luft,
was weiß ich, den Himmel, die Brust der Mädchen,
und immer derselbe Klang, der gleiche Wandel.
Was für ein Ort ist das ohne Waffenruhe? Welche Horde, welch alten Kämpfe
kommen meine Seele zu jeder Stunde plündern,
bezwingen den weiß beflaggten Turm,
öffnen jene Pforte, die stille,
die nie falsche? Und du
bist es, Musik des Flusses, mein tiefer Atem,
Schlichtheit und Stimme und Puls meiner Leute.
Wieviel besser wäre es
zu warten. Heute kann ich nicht, heute ist mein Gehör
hart nach den Jahren, die ich mit denen
aus üblen Landen verbracht habe. Aber ich bin zurück.
Feld der Wahrheit, wo lag der Verrat?
Hört, wie so viel Zeit und so viel Geschäftigkeit
ein einziges Rauschen erzeugen!
Hört, wie wir Tag für Tag so viel Reinheit
an unserer Seite gehabt haben, zuhause,
und weiter taub geblieben sind!
Nicht einen Abend länger! Sei willkommen,
Morgen. Bald bin ich da: seid mir Zeugen,
ihr, die ihr noch hört. O Fluß,
Gründer von Städten,
überall klingend, außer in deinem Bett,
laß dein Rauschen unser Gesang sein,
unsere Werkstatt im Leben. Und sollten eines Tages
die Einsamkeit, der Anblick des zum Verkauf stehenden Menschen,
der Wein, die schlechte Liebe oder die Mutlosigkeit
angreifen, was du dir gut zu eigen gemacht hast,
begib dich wie heute auf Kriegsfuß, bewach
all meine Türen und Fenster, wie
du es seit jeher getan hast,
du, den ich genauso höre wie damals,
du, Fluß meiner Heimat, du, Dauerhafter Fluß.

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