Die Hausfrau Poem by EZEQUIEL ALEMIAN

Die Hausfrau


Wie viele Tage kann ich verbringen, ohne zu reden?

Ohne die Heizung anzustellen. Ohne etwas Warmes zu essen. Ohne das Haus aufzuräumen. Ohne die Nachrichten anzuhören, die sich auf dem Anrufbeantworter ansammeln. Wie viele Tage kann ich noch ohne Sex verbringen?

Ohne die Strom- und Wasserrechnungen zu bezahlen. Ohne mir wieder meine Hefte vorzunehmen. Ohne auf der Arbeit meine Situation zu erklären.

Wie viele Tage kann ich ohne Denken verbringen? Ohne Zeitung zu lesen. Ohne mich zu duschen. Ohne V. anzurufen.

Ohne in der Scheiße zu versinken.

Ohne schon wieder in der Scheiße zu versinken, wie viele Tage kann ich noch verbringen, ohne mir die Hände zu waschen?

Bis ich gelernt habe, mit den Fingern, auf die Wände zu schreiben?

Leberbeschwerden und Eiterpickel wären einstweilen in der Lage, die Lüge dieser Pose zu untermalen: Wie viele Tage kann ich noch verbringen, ohne in der Bilderscheiße zu versinken?

Pose des Fötus in Formalin, riesig, auf einem Sockel aus dunklem Holz, von der Decke mit Halogenstrahlern beleuchtet und der Gier des Publikums dargeboten, dienstags bis sonntags, 13 bis 18 Uhr.

Thursday, May 30, 2019
Topic(s) of this poem: sex
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