Ein Brief an meinen Richter:
Meine Hände sind rein von des anderem Gut.
In meinen Adern fließt nur Wahrheit und Mut.
Kein fremdes Geschenk hat mein Begehren entfacht.
Ich habe mich arm und dich reich gemacht.
Das Edel vor Augen, den Blick steil nach oben,
Hab ich das Gesetz meines Lebens erhoben.
Ich wollte nur aufrecht und fehlerlos sein -
Doch vor deinem Urteil kehrt Wahrheit ein.
Ich bekenne mich schuldig,
denn ich habe an mich gedacht.
Und als ich es tat, hab ich an dich gedacht.
Es ist ruhig im Saal.
Ich bin Schuldig, und es ist mir egal.
Die Zeiger der Uhr fressen die Zeit.
Eine Frau. Ein Stuhl. Ein Urteil.
Keine Fanfaren. Keine Show.
Nur das Ticken und die nackte Wahrheit.
Schau mich an, Richter.
Sieh dir diese Finger an, durch die die Jahre rannen.
Sieh die Handflächen, die sich niemals am Eigentum der anderen vergangen.
Ich stehe hier im Licht deines Scheinwerfers und ich sage dir:
Meine Hände sind rein von fremdem Gut.
Kein Staub von fremdem Gold klebt an meiner Haut und auch kein Blut.
Nichts.
Ich habe mich nie weggeduckt, nie den Kopf in den Sand gesteckt.
In meinen Adern fließt nur Wahrheit und Mut.
Das dachte ich jedenfalls. Ein Leben lang.
Ein Leben auf dem Grat der absoluten Aufrichtigkeit.
Ich habe den Verlockungen widerstanden, den leichten Wegen, den schnellen Triumphen.
Kein fremdes Geschenk hat mein Begehren entfacht.
Ich war unbestechlich. Eine Festung aus Prinzipien.
Aber Festungen haben dicke Mauern. Und hinter Mauern
Wird es dunkel.
Und am Ende der Rechnung steht das Defizit.
Die Bilanz eines Lebens, das sich selbst vergaß.
Ich habe mich arm und dich reich gemacht.
Verstehst du das?
Ich gab alles ab. Jeden Funken, jede Sekunde.
Für die Ordnung. Für das System. Für dein Gesicht im Spiegel.
Ich habe mich arm und dich reich gemacht.
Ich lief blind durch die Straßen, die Augen starr fixiert auf das Ideal!
Kein Blick nach links, kein Blick nach rechts, wo das echte Leben stattfand!
Das Edle vor Augen, den Blick steil nach oben,
hab ich das Gesetz meines Lebens erhoben!
Ich war meine eigene Wärterin, meine eigene Henkerin,
jeden Funken Freiheit im Keim am Ertränken drin!
Ich wollte nur aufrecht und fehlerlos sein!
Verstehst du diesen Irrsinn? Fehlerlos und rein!
In einer Welt, die aus tausend Brüchen besteht,
während der Wind der Realität uns ins Gesicht weht!
Ich wollte die weiße Weste im Schlamm der Existenz tragen!
Eine sterile Heilige an all den dreckigen Tagen!
Doch die Fassade bröckelt, Richter, spürst du den Schmerz?
Sie bröckelt genau jetzt durch das Urteil in mein Herz!
Unter dem Gewicht deiner eiskalten Instanz,
endet hier mein fehlerloser, einsamer Tanz!
Doch vor deinem Urteil kehrt die Wahrheit ein,
keine Paragrafen werden mich jemals befrein!
Es ist die echte, die bittere, die nackte Sicht,
wenn die Dunkelheit den letzten Stolz zerbricht!
Denn am Ende der Rechnung steht das Defizit.
Die Bilanz eines Lebens, das sich selbst vergaß.
Ich habe mich arm und dich reich gemacht.
Für das Gesetz. Für die Norm.
Ich habe mich arm und dich reich gemacht.
Und jetzt kommt das Geständnis.
Keine Ausflüchte mehr.
Das Visier ist offen.
Ich blicke dir in die Augen.
Und ich tue das, was ich noch nie getan habe.
Ich lasse die Maske fallen.
Ich bekenne mich schuldig
denn ich habe an mich gedacht.
Ja. Ich habe es gewagt, zu existieren.
Für einen kurzen, sündigen Moment war ich mir selbst genug.
Und als ich es tat
hab ich an dich gedacht.
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