[Erinnerung, die einer Geburt gleicht] Poem by MARZANNA BOGUMIŁA KIELAR

[Erinnerung, die einer Geburt gleicht]

1.
Erinnerung, die einer Geburt gleicht, immer (ihre Felsnadeln,
zu Echos gestaffelten Dünen...): ich denke an uns auf der Fähre, als sie sich der Insel nähert.
Daran, wie du mir die Haare hinters Ohr streichst
und flüsterst: 'Ich gehe in die Synagoge und sage Dank, dass Er mir dich geschenkt hat' -
ein Augenblick, und die Liebe ergänzt ihren unsterblichen Teil
um den sterblichen.
Der Nachthimmel fällt in einer Verwerfung
nach Osten. Und dort, wo der Basalt der Dunkelheit dünner ist,
ihn feine Erosionsstriemen durchziehen, ist die Dämmerung durchwachsen vom Rot
des Blutes. Der Übergang zwischen hell und dunkel fließt nie.
Es gibt das Feuer und den rohen schwarzen Himmel. Das wüstengepanzerte Meer. Die Kluft
an der entlang der Körper des Schlafes platzt und seinen eisigen Kern bloßlegt.


2.
Der Wald im Inselinneren, verkrüppelt, blattlos,
auf Knien - wenn der Morgen seine blutunterlaufene Flosse gegen den Horizont schlägt.

Ein Fohlen - der Tag - wird abgeleckt, will sich hochrappeln im niedrigen Gebüsch,
mit jeder Bewegung blitzt Licht auf.
Ich schaue, wie er zum Meer hin einen Augenblick inne hält -

und es gibt nichts, das vergehen würde.
Auf den Felsen zieht der Wind Flügel aus der Gischt, der Himmel klart auf, wird heller
wie ein Körper nach der Liebe, den die Flut
in die Sandmassen wirft.

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