Seen Poem by MARZANNA BOGUMIŁA KIELAR

Seen

1.
Letzten Endes wird jeder einzelne von ihnen verlanden.
Fruchtbare Zuflüsse, rutschende Ufer - die bringen sie zum Verschwinden.
Der Regen aus Kalkplättchen, klein wie Staubkörner,
formt mächtige Kreidelager in ihnen.
Birken und Schwarzerlen wachsen sie von den Ufern aus zu.
Zehntausend, ein paar zehntausend Jahre lang, je nach Größe, werden sie leben,
glänzen als Einschnitte dunklen Wassers zwischen den Hügeln,
satte Wannen im Geschiebelehm
auf dem präkambrischen Fundament.


2.
Kleiner See mit braunem Wasser, wie ein Vogelnest dein Inselchen -
wenn man die Spanne meines Lebens anlegt,
bist du beinahe ewig. Neben deinem ist mein Leben nur
ein Rinnsal Regen.

Aber das Land hat dich schon betreten. Du verlierst offenes Wasser.
Schritt für Schritt bauen die Binsen, das Schilf vom Ufer her sich einen Grund und irgendwann
werden sie damit bis in die Mitte kommen, wo jetzt die Möwen sind.

In uns arbeiten die Arme des gleichen Deltas.
Und die Sonne schaukelt die Tage wie flache Kähne in der kleinen Bucht
schlagen ihre Seiten aneinander -

die gleiche Welle
trägt mich und dich und ein jedes Stöckchen und hört nie auf.

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