eine vergleichende analyse
der flugbahn fallender blätter
von bäumen in minsk und berlin
wurde von uns unter einsatz von augen
und gefühlen ende august vorgenommen
mit einer person weiblichen geschlechts
in einem alter
weder jung noch betagt
das sich exakt zum einsamen sitzen
am tisch und dort zum beobachten
des forschungsobjekts (sprich: blätter) eignet
die einen, so das ergebnis, setzen auf die tat:
so schnell als möglich hinunterfliegen
und den flug als notwendiges übel verkraften
diese blätter legen wert auf schwere
wollen rascher an der schmirgelwange des grases liegen
wollen faulen, staub sein, mit blumenrest vermischen ihren reifen duft
und langsam werden wie Jene, die sie gebar
dagegen ein paar hundert kilometer weiter (genauer: 1031)
will ein anderes blatt am wind festhalten
damit es lange auf der bühnenvertikale schwebt
gesehen wird und zur schau stellt seine adern
die so perfekt vertaut sind in der haut
damit durch diese transparente leinwand noch die sonne
vom gastspielplan in anderen städten sprechen
und die nette tageslichtlaterne grüßen kann
damit aus fenstern, brillen, unter hüten oder schlicht durch wimpern blicke
sie finden, fühlen, verfolgen, bis zur letzten minute des flugs nicht verlieren:
diese blätter
die am boden noch das muster eines schmetterlings kopieren
die jeden schritt und autobrausen wie applaus verstehen
für immer bis zum ende der saison
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