TAGEBUCH EINER ZERBROCHENEN LIEBE Poem by VICENTE LUIS MORA

TAGEBUCH EINER ZERBROCHENEN LIEBE


Erster Januar:
Liebe, das ist nicht sagen müssen,
ich liebe dich.
*

Ihr Lachen macht
aus diesem offenen Saal
eine Gaskammer.

*

Ich ersticke atme
durch den Hörer ein,
wenn ich die Nummer wähle.

*

Öffne die Augen,
sie sagt gerade nichts,
und man versteht sie völlig.

*

Dritter Februar:
Sie sagt mir Schau mich nicht an.
Ich sehe sie noch.

*

Ich sage Zukunft
und schwärme vom Reisen.
Ihr Schweigen schlägt ein.

*

Sie ist so klein,
wie kam sie nur auf einen Schaden,
der so groß ist.

*

Weil sie ihr Handy dabei hat,
kann ich ihr Schweigen
bei mir tragen.

*

Mehr als das Ich liebe dich,
das ich nicht sagte, töten mich jene,
die sie mir sagte.

*

Juni: ein Spiegelmeer,
Wellen zerrunzeln die Stirn.
Wenn nur der Winter käme.

*

Mein Traum wurde wahr,
ich verlor
meinen Traum.

*

Leben: schimmlige Krümel
und eine Verdauung,
die hoffnungslos ist.


Anmerkung des Autors: Diese Verse bestehen aus einer

Mischung von Soleá (spanische Strophe aus drei Versen) und
Haiku. Soleás reimen sich, Haikus nicht. Es ist der
Ver-such, orientalische und spanische Traditionen
zu verbinden

Saturday, June 8, 2019
Topic(s) of this poem: haiku
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