UNAUSGESPROCHENE WORTE ÜBER VENEDIG Poem by DRAGAN JOVANOVIĆ DANILOV

UNAUSGESPROCHENE WORTE ÜBER VENEDIG

Diese Stadt noch erinnert mich an ein Buch.
Wie der Geist eines längst versunkenen Schiffes,
ruft mich das uralte Nest zu sich und ich
nähere mich ihm wie eine dem Leuchtturm entflohene Welle.

Der Hochmut, den man im Glitzern der Lagune
erworben hatte, die verdrehten Proportionen von Wasser und Himmel,
besuchen mich nur, wenn ich krank bin.

Ich lebe in einer Wolke und weiß nicht, wer ich bin.
Dieser Wasserpalast, wunderschön vom langsamen
Sterben, versöhnt mich mit meinem eigenen
Körper und gibt sich, wie eine Geliebte,
am schönsten im Morgengrauen hin.

Auch an diesem Morgen, wenn das Gewirr der Stadt
in die Erzitterung des Herzens mündet, sehe ich meinen früheren
Jünglingskörper, gespannt wie ein Windhund, und Frauen,
die vom Frühling geweckt wurden, wunderschön von all den
Umarmungen, in denen sie nicht sein konnten.

Wie verlässlich erscheint von hier aus die Ewigkeit!
Und schon höre ich die Wellen, die, arbeitsam wie Balzac,
der Stadt ihre Beichte ablegen; einem uralten Skelett, das
in Nichts eingetaucht ist; das Schreiben ist ja dieses sanfte Schaukeln, das
unsere Körper berührt; alles ist so unklar
und vielleicht deshalb begünstigt.

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