Wolfgang Steinmann


Hans Im Glück - Poem by Wolfgang Steinmann

Ohne Eile gehe ich in mein abgelegenes Zimmer im ersten Stock.
Die aktuelste Nachricht: Man hat Amelia Earharts Schuh gefunden, Grösse 9.
1992: Charles Christians BeBop bei Mintons im Jahr 1941.
Heute: Die Präsidentschafts-Vorwahlen haben uns wieder einmal enttäuscht.
Wir werden unsere Unterhaltung woanders suchen müssen, vielleicht
im letzten Schneefall, beim morgigen Chorkonzert in Springfield.
Der Tag eignet sich nur für Katzen: man sollte ihn einfach verdösen.
Oder Augustins Confessiones lesen.
Jesus nannte die Söhne des Zebedäus Kinder des Donners.
In meinem abgelegenen Zimmer mache ich Pläne: lass uns die Rocky Mountains erkunden.
Und später können wir am Strand spazieren gehen: Hallelujah!
(Die Express-Post hat gerade einen Brief gebracht -
Es stand nichts von Bedeutung drin, ich habe einfach weiter geschlafen.)
(Ich glaube, ich versuche ‘mich aus allem raus zu halten'.
Ich weiss, dass die Russen ‘Lincos' entwickelt haben, eine Sprache
sich mit Bewohnern anderer Welten verständigen zu können.
Das war eine vollkommene Zeitverschwendung, nicht mal 'ne Postkarte.
Andererseits gibt es Fische, die auf Bäume klettern, Anabas genannt.
Sie klettern auf die Bäume, weil sie blöd sind, heisst es.
Ich kann das nicht beurteilen. Ich will von hier ausbrechen.
Eine Biene hat kein Gespür für Geometrie: sie kann
ein Quadrat nicht von einem Rechteck oder Kreis unterscheiden.
Der Lockerroom meines Schädels ist voller hechelnder Fischreiher.
Diese Behauptung mache ich nur des Effekts wegen.
Mit der Zeit werde ich schon gesund werden, das weiss, oder zumindest glaube, ich.
Was sich alles in meinem verborgenen Zimmer befindet wird erfasst und dann
so vollständig angeordnet werden, dass es einem Angst machen kann.
Was ich einmal für Unendlich hielt, ist bei näherem Hinsehen nur
Krims-krams, winzige Überreste, unwichtiges Zeug, Bruchstücke von
neuen Modesachen, ohne Konsequenz im Lauf der Zeit. Aber immerhin ist es genug,
vielleicht sogar mehr als genug, unermessliche Bräuche und Traditionen aufzuzeigen.
Ich bin ein Hans im Glück.

This is a translation of the poem Happy As The Day Is Long by James Tate

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Mary Elizabeth Frye

Do Not Stand At My Grave And Weep



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Poem Submitted: Saturday, June 24, 2017



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